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80. Todestag von Frater Eustachius Kugler

Am 10. Juni 1946 starb der selige Frater Eustachius Kugler. 80 Jahre später erinnern die Barmherzigen Brüder an einen Ordensmann, der in schwierigen Zeiten Verantwortung übernahm, aus tiefem Glauben lebte und mit großem Weitblick Werke schuf, die bis heute nachwirken.

Frater Eustachius Kugler wird oft mit Eigenschaften beschrieben, die leise klingen und doch große Kraft entfalten: Bescheidenheit, Demut, Gottvertrauen und Ausdauer. Er war kein Mann der großen Worte, sondern ein Mann der Tat und des Gebets. Einer seiner Leitsätze lautete: „Das Gebet ist das Atemholen der Seele.“ Aus dieser Haltung heraus prägte er den Orden der Barmherzigen Brüder in Bayern über Jahrzehnte.

 

 

Biografischer Überblick

Geboren wurde er am 15. Januar 1867 als Joseph Kugler in Neuhaus bei Nittenau in der Oberpfalz. Er stammte aus einfachen Verhältnissen und wuchs als Sohn eines Schmieds und Kleinbauern auf. Schon früh lernte er das Handwerk kennen und begann mit 14 Jahren eine Lehre als Bauschlosser. Ein schwerer Unfall veränderte jedoch seinen Lebensweg: Nach einem Sturz von einem Baugerüst heilte eine Fußverletzung schlecht aus und führte zu einer dauerhaften Gehbehinderung.

 

Der Orden hatte im Frühjahr 1891 im Kloster Reichenbach mit der Aufnahme und Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung begonnen. Da Josephs Schwager, seines Zeichens Schmiedemeister, mit den anfallenden Renovierungen im Kloster beauftragt worden war, konnte er täglich als Mithelfender über zwei Jahre lang die Arbeit der Barmherzigen Brüder beobachten. Der Dienst der Brüder beeindruckte ihn tief. Für ihn wurde klar: Diesem Orden wollte er angehören, für diese Aufgabe wollte er sein Leben einsetzen. Am 1. Januar 1893 trat er als Kandidat ein und erhielt den Ordensnamen Eustachius. 1898 legte er die Feierliche Profess ab.

 

Frater Eustachius Kugler
Frater Eustachius Kugler
Geburtshaus von Frater Eustachius
Geburtshaus von Frater Eustachius
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Wirken im Orden

In den folgenden Jahren wirkte Frater Eustachius in verschiedenen Einrichtungen des Ordens. Er arbeitete in der Pflege, im Kranken- und Apothekendienst und übernahm später Leitungsverantwortung. Als Prior bewies er an mehreren Standorten organisatorisches Geschick, Tatkraft und Sinn für das Wesentliche: die bestmögliche Betreuung kranker Menschen und von Menschen mit Behinderung.

 

1925 wählten ihn seine Mitbrüder zum Provinzial der Bayerischen Ordensprovinz. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tod aus. 21 Jahre lang trug er Verantwortung für bis zu 400 Mitbrüder und 18 Ordenseinrichtungen. Es waren Jahre voller Herausforderungen: wirtschaftliche Not, politische Umbrüche, Nationalsozialismus, Krieg und schließlich der mühsame Beginn des Wiederaufbaus.

 

 

Der Krankenhausbau in Regensburg

Zu den großen Leistungen von Frater Eustachius zählt der Bau des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Regensburg. In einer Zeit großer wirtschaftlicher Unsicherheit wagte er dieses bedeutende Projekt. Wo andere zweifelten, vertraute er auf Gott und auf die gemeinsamen Kräfte des Ordens. Überliefert ist sein Satz: „Ich habe die Sache schon mit dem Herrgott ausgemacht, es wird nichts fehlen!“ Mit Weitblick, Beharrlichkeit und großem organisatorischem Können gelang es ihm, die Finanzierung zu sichern und ein Krankenhaus zu verwirklichen, das zu den modernsten und bestausgestatteten seiner Zeit zählte.

 

 

Historische Aufnahme des Regensburger Krankenhauses
Historische Aufnahme des Regensburger Krankenhauses
Kirche und Teilansicht des Krankenhauses in Regensburg
Kirche und Teilansicht des Krankenhauses in Regensburg
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Standhaftigkeit in der NS-Zeit

Auch die Zeit des Nationalsozialismus traf Frater Eustachius und den Orden schwer. Einrichtungen mussten abgetreten oder geräumt werden, Brüder wurden zum Militärdienst eingezogen, manche kamen ums Leben. Frater Eustachius selbst wurde von der Gestapo verhört. Die Gewalt und Menschenverachtung des Regimes, besonders gegenüber kranken und beeinträchtigten Menschen, belasteten ihn tief. Dennoch ließ er sich nicht entmutigen. Er half, wo er konnte, und versuchte zu verhindern, was zu verhindern war.

 

Nach dem Ende des Krieges wäre Frater Eustachius mit seiner Erfahrung, seiner Tatkraft und seinem Glauben ein wichtiger Mann für den Wiederaufbau gewesen. Doch seine Kräfte waren aufgebraucht. Schwer krank starb er am 10. Juni 1946 an Krebs.

 

 

Verehrung und Seligsprechung

Heute erinnert in Regensburg besonders die Eustachius-Kugler-Kapelle bei der Krankenhauskirche St. Pius an ihn. Dort befindet sich sein Reliquienschrein. Die Kapelle ist ein Ort der Stille, des Gebets und der Bitte um Fürsprache. Sie zeigt, dass die Verehrung für diesen stillen Ordensmann bis heute lebendig ist.

 

Am 4. Oktober 2009 wurde Frater Eustachius Kugler im Dom St. Peter in Regensburg seliggesprochen. Die Feier machte sichtbar, was viele Menschen längst mit seinem Namen verbanden: ein Leben aus dem Glauben, ein Herz für kranke und beeinträchtigte Menschen, Mut in schweren Zeiten und ein Gottvertrauen, das andere stärkte.

 

 

Reliquienschrein in der Krankenhauskirche in Regensburg
Reliquienschrein in der Krankenhauskirche in Regensburg
Wallfahrt in Neuhaus
Wallfahrt in Neuhaus
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Zum 80. Todestag erinnern die Barmherzigen Brüder an Frater Eustachius Kugler als einen Seligen, der nicht im Vordergrund stehen wollte und doch Großes bewirkte. Sein Leben zeigt, was Hospitalität bedeuten kann: dem Leben dienen, gerade dort, wo Menschen verletzlich, krank, arm oder bedroht sind. Sein Beispiel bleibt Auftrag und Ermutigung — damals wie heute.

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