KOLOREKTALES KARZINOM (DARMKREBS)
1. Was ist ein kolorektales Karzinom und wie häufig tritt es auf?
Unter dem kolorektalen Karzinom versteht man bösartige Tumoren des Dickdarms (Kolon) oder des Mastdarms (Rektum). In Österreich zählt diese Tumorart zu den drei häufigsten Krebsarten bei Frauen und Männern. Im Jahr 2022 wurden laut Statistik Austria etwa 4 .467 Neuerkrankungen pro Jahr registriert. International gesehen ist Darmkrebs sogar die dritthäufigste Krebsform weltweit.
Wichtig zu wissen: die Erkrankung entsteht oft aus zunächst gutartigen Darmvorstufen, sogenannten Adenomen, die sich im Laufe der Jahre zu einem Karzinom entwickeln können – ein Prozess, der über die sogenannte Adenom‑Karzinom‑Sequenz wissenschaftlich gut beschrieben ist.
2. Welche Diagnostik setzen wir ein?
Die Diagnostik ist darauf ausgerichtet, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen, den Tumor zu lokalisieren sowie sein Stadium und mögliche Metastasen auszuschließen:
- Anamnese und körperliche Untersuchung, einschließlich einer digital-rektalen Untersuchung.
- Stuhltests: Der gängige Stuhlbluttest (gFOBT) wird von den Krankenkassen bezahlt, ist jedoch nur mäßig zuverlässig. Empfindlichere iFOBT-Verfahren (immunochemisch) bieten deutlich höhere Nachweisraten. Fragen Sie Ihren Hausarzt, wo sie diese Tests erhalten.
- Koloskopie (Darmspiegelung): Goldstandard – ermöglicht direkte Betrachtung, Entfernung von Polypen und Entnahme von Proben (Biopsien).
- Erweiterte stuhlbasierte Tests wie M2‑PK oder Septin‑9 befinden sich im Fokus der Forschung, werden aber in derzeitigen Leitlinien nicht routinemäßig empfohlen.
- Mit Bildgebung lassen sich Tumorstadium und mögliche Metastasen klären:
- Ultraschall (Abdomen) und Röntgen-Thorax
- bei Bedarf: CT oder MRT zur genaueren Abklärung plus ggf. Endosonographie bei frühen Rektumtumoren.
- Ultraschall (Abdomen) und Röntgen-Thorax
- Tumormarker (z. B. CEA) zur Verlaufskontrolle, jedoch ohne Screening‑Eignung.
3. Welche chirurgischen Therapien kommen zum Einsatz?
In unserer Abteilung der Barmherzigen Brüder Graz bieten wir das gesamte Spektrum moderner chirurgischer Verfahren an – immer individuell und auf den besten medizinischen Standard zugeschnitten:
3.1 Radikale Tumorentfernung und Lymphknotenentfernung
- Ziel jeder Therapie ist die vollständige Entfernung des Tumors einschließlich des umliegenden Lymphabflussgebiets („en bloc resezieren“) – entscheidend für Heilungschancen in frühen Stadien.
- Beim Rektumkarzinom gilt die Totale mesorektale Exzision (TME) als Standardverfahren – sie senkt Rezidivrate und – anatomisch orientiert und nervenschonend ausgeführt - schützt Blasen‑ sowie Sexualfunktionen
- Beim Kolonkarzinom gilt analog zum Rektum die Complette mesokolische Exzision (CME) als Standardverfahren
3.2 Minimal‑invasive Chirurgie (Schlüsselloch‑Chirurgie)
- Laparoskopische Verfahren sind etabliert und zeigen bei vergleichbaren Langzeitergebnissen deutlich bessere kurative, postoperative Verläufe (z. B. weniger Schmerzen, kürzerer Krankenhausaufenthalt).
- Robotische Chirurgie bietet zusätzliche Vorteile: dreidimensionale Sicht, feinere Instrumentensteuerung, ergonomisch günstig für den Operateur – besonders relevant bei komplexen Rektumresektionen oder Adipositas.
- Studien zeigen:
- Roboter‑Operationsraten stiegen in den letzten Jahren deutlich, Minimal-invasive Chirurgie überstieg bereits ab ca. 2013 häufig offene Eingriffe
- Roboterchirurgie führt zu schnellerer Erholung, weniger postoperativer Schmerzen und höherer Lymphknotenentnahme bei bestimmten Tumororten
- In frühen Phasen nach Einführung eines Roboterprogramms war die Qualität und Sicherheit vergleichbar zur Laparoskopie – evtl. geringer Umwandlungsrate in offene OPs
- Roboter‑Operationsraten stiegen in den letzten Jahren deutlich, Minimal-invasive Chirurgie überstieg bereits ab ca. 2013 häufig offene Eingriffe
3.3 Transanale minimal-invasive Techniken
- Für Tumoren im unteren Rektum bieten wir auch transanale minimalinvasive resektive Verfahren an – so können sehr lokal begrenzte Tumoren organerhaltend behandelt werden oder als TME, minimalinvasiv und präzise die transanale TME auch für fortgeschrittene Tumore eingesetzt werden.
3.4 Multimodale Therapie
- Bereits vor der OP können bei fortgeschrittenen Tumoren neoadjuvante Therapien (Chemotherapie und/oder Radiochemotherapie) zur Tumorverkleinerung eingesetzt werden.
- Nach Operationen im Stadium II–III empfehlen Leitlinien häufig eine adjuvante Chemotherapie, speziell mit FOLFOX‑Schema (5‑FU, Folsäure, Oxaliplatin)
4. Innovative Unterstützung durch KI-Systeme
In unserer Abteilung verwenden wir moderne KI-Systeme zur besseren Differenzierung bösartiger Tumoren, insbesondere im unteren Verdauungstrakt:
- KI kann endoskopische und bildgebende Daten qualitativ unterstützen – bei der Abgrenzung gut- vs. bösartig oder zur Entscheidungsfindung im OP.
- Diese Technologie ist Teil unserer Strategie, Präzision und individuelle Therapie zu optimieren – zusammen mit minimalinvasiven und robotischen Verfahren.
- Wir nehmen in diesem Zusammenhang auch an einer großen internationalen von der EU geförderten Studie teil (www.classicaproject.eu)
5. Onkologische Nachsorge
Nach abgeschlossener kurativer Behandlung beginnt ein engmaschiges Nachsorgeprogramm, das bei uns direkt integrativ begleitet wird:
- Tumormarker-Kontrollen (z. B. CEA) in den ersten zwei Jahren halbjährlich, danach jährlich.
- Wiederholte Koloskopien, je nach Befundintervallen.
- Regelmäßige Bildgebung (CT/MRT) je nach Tumorstadium.
- Bei Rektumkarzinom zusätzlich Rektosigmoidoskopie und Endosonographie
- Unsere Nachsorge ist interdisziplinär abgestimmt, koordiniert mit Hausärzt:innen und spezialisierten Onkolog:innen innerhalb des Krankenhauses und unseren Kooperationspartner am Comprehensive Canver Center Graz (https://www.uniklinikumgraz.at/ccc).
6. Zusammenfassung unserer Stärken
In der Chirurgischen Abteilung der Barmherzigen Brüder Graz bieten wir:
- Vollständige Diagnostik vom Screening bis zum Tumorstaging.
- Modernste operative Therapien: laparoskopisch, robotisch, transanal minimal-invasiv, bewährte TME bei Rektumkarzinom.
- Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur diagnostischen und therapeutischen Optimierung.
- Individuell zugeschnittene multimodale Konzepte (neoadjuvant, adjuvant).
- Umfassende onkologische Nachsorge, persönlich begleitet in vertrauter Umgebung