ENTLEERUNGSSTÖRUNG
1. Was ist eine Entleerungsstörung?
Entleerungsstörungen (Obstruktives Defäkationssyndrom - ODS):
Haben Sie das Gefühl, sich nie richtig entleeren zu können? Sie verbringen sehr viel Zeit auf der Toilette, pressen stark und haben oft noch das Gefühl, dass „noch was da ist“? Vielleicht helfen nur noch manuelle Unterstützung oder regelmäßige Abführmittel?
All das sind typische Anzeichen für eine Entleerungsstörung, medizinisch Obstruktives Defäkationssyndrom - oder kurz ODS - genannt. Dieses komplexe Beschwerdebild ist für Betroffene extrem belastend, aber Sie sind ihm nicht hilflos ausgeliefert. Als spezialisiertes Zentrum bieten wir umfassende Diagnostik und maßgeschneiderte Therapien für diese Funktionsstörungen des Beckenbodens.
2. Welche Symtome können auftreten?
Um die Schwere Ihrer Beschwerden systematisch zu erfassen, nutzen wir unter anderem standardisierte Fragebögen wie den ODS-Score nach Altomare. Die typischen Symptome, die dabei abgefragt werden, sind:
- Ein anhaltendes Gefühl der unvollständigen Entleerung
- Sehr langes und starkes Pressen auf der Toilette
- Sehr harter Stuhlgang
- Häufiger Gebrauch von Abführmitteln oder Einläufen
- Die Notwendigkeit mit dem Finger nachzuhelfen (entweder in der Scheide oder am Damm/After), um den Stuhlgang zu ermöglichen
- Sehr häufige Toilettengänge, ohne dass dabei viel kommt.
Wenn Sie mehrere dieser Punkte bei sich erkennen, ist es Zeit, die Ursache abklären zu lassen.
Welche Ursachen können hinter einer ODS stecken?
Häufig ist eine ODS kein isoliertes Problem, sondern das Ergebnis mehrerer zusammenwirkender Faktoren. Unsere Aufgabe ist es, den oder die Hauptgründe für Ihre Beschwerden zu finden.
- Rektozele:
Eine Ausstülpung der Enddarmvorderwand in Richtung Scheide, die eine Tasche bildet, in der sich Stuhl verfängt.
- Intussuszeption:
Eine Einstülpung der Darmwand, die den Stuhlfluss behindert wie ein innerer „Teleskopeffekt“.
- Enterozele:
Ein Vorfall von Dünndarmschlingen in den Beckenboden, der auf den Enddarm drückt.
3. Welche Diagnostik setzen wir ein?
Eine genaue Diagnostik ist der Schlüssel zur erfolgreichen Therapie. Ein ODS erfordert eine präzise Untersuchung, um die richtige Behandlung zu planen. Bei uns sind Sie mit der modernsten Diagnostik bestens aufgehoben:
- Ausführliches Arztgespräch und klinische Untersuchung:
Die Basis jeder Abklärung
- Digital rektale Untersuchung:
Dabei können wir die Spannung und Funktion ihres Schließmuskels beurteilen und bereits Hinweise auf eine mögliche Vorwölbung (Rektozele) oder ein Absinken des Beckenbodens ertasten.
- Proktoskopie:
Eine Endoskopie des Afters und unteren Enddarms. Damit können wir andere Ursachen, wie Entzündungen, Hämorrhoiden oder tiefsitzende Tumoren ausschließen und die Schleimhaut genau beurteilen.
- MRDefäkographie:
Dies ist eine besonders aussagekräftige Untersuchung. Wir beobachten im MRT live, was während des Pressvorgangs in ihrem Beckenboden passiert. So können wir Rektozelen, Intussuszeptionen und andere Veränderungen genau darstellen.
- Konventionelle Defäkographie:
Eine dynamische Untersuchung mit Röntgenstrahlen, die insbesondere dann durchgeführt werden sollte, wenn Gründe gegen eine MRT sprechen (z.B nicht MR taugliche Schrittmacher oder andere Metallfremdkörper).
- Gynäkologische Untersuchung:
Da die Probleme oft eng mit der Funktion der weiblichen Geschlechtsorgane und der Blase zusammenhängen, arbeiten wir eng mit unseren gynäkologischen Kolleginnen im Haus zusammen.
4. Welche Therapien kommen zum Einsatz?
Die Behandlung richtet sich strikt nach der gefundenen Ursache. Wir beginnen immer mit den schonendsten Methoden:
Konservative Therapie:
- Umstellung der Ernährungs und Trinkgewohnheiten
- BiofeedbackTraining:
Ein physiotherapeutisches Training, bei dem Sie lernen, Ihre Beckenbodenmuskulatur gezielt zu entspannen und zu koordinieren.
- Anale Irrigation (Spülung):
Ein erlernbares System zur kontrollierten, regelmäßigen Darmentleerung, das vielen Patienten zu mehr Unabhängigkeit und Lebensqualität verhilft.
Operative Therapien:
- Delorme oder Altemeier-Operation:
Bei einem tiefen Rektumprolaps kann dieser Eingriff über den After durchgeführt werden (ohne Bauchschnitt), bei welcher der Enddarm gerafft oder teilweise entfernt wird.
- MeshRektopexie:
Ein etabliertes Verfahren, bei welchem der Enddarm in seiner normalen Position fixiert wird, um ein Einstülpen zu verhindern. Dies kann oft minimalinvasiv erfolgen (laparoskopisch oder roboterassistiert).
- Resektionsrektopexie:
Dieses Verfahren beinhaltet die Entfernung überschüssiger Darmabschnitte und die Fixierung des Enddarms am Kreuzbein um ein weiteres Absinken zu verhindern. Auch dieser Eingriff kann minimalinvasiv (laparoskopisch oder roboterassistiert) vorgenommen werden.
Ihr Behandlungspfad wird immer individuell mit Ihnen besprochen. Unser Ziel ist es nicht, zu operieren, sondern Ihnen mit der besten und nachhaltigsten Lösung Ihre Lebensqualität wiederzugeben.
Nehmen Sie Ihr Empfinden ernst. Vereinbaren Sie einen Beratungstermin bei unseren Spezialisten und wir finden gemeinsam heraus, wie wir Ihnen helfen können.