„Das Knie ist am meisten gefährdet“

Knieverletzungen sind im Wintersport besonders häufig, oft ausgelöst durch Rotationskräfte beim Sturz.
Welche Verletzungen zeigen Sie im Wintersport?
OA Dr. Peter Ambrozy:
Im Wintersport – besonders beim Skifahren – gehören Verletzungen der unteren Extremität zu den häufigsten.
Das Knie ist dabei am meisten gefährdet, weil der Ski den Fuß fixiert und Drehkräfte bei Stürzen direkt auf das Gelenk übertragen werden.
Die Schulter ist häufig betroffen, typischerweise bei Stürzen auf den ausgestreckten Arm.
Die Hüfte zeigt vor allem bei älteren Skifahrern Verletzungen, etwa Schenkelhalsfrakturen, begünstigt durch Osteoporose und direkte Sturzbelastung.
Welche Knieverletzungen treten bei Wintersportler:innen typischerweise auf, und weshalb sind vor allem Kreuzband- und Meniskusschäden so verbreitet?
OA Dr. Ambrozy: Die häufigste schwere Knieverletzung ist der Riss des vorderen Kreuzbandes, ausgelöst durch Verdrehtraumen oder Verkanten des Skis.
Ebenfalls oft betroffen sind die Menisken, die bei solchen Stürzen einreißen können. Unbehandelt führen diese Verletzungen zu Instabilität, Belastungsschmerzen und langfristig sogar zu frühzeitiger Arthrose. Häufig treten Kreuzband- und Meniskusschäden gemeinsam auf.
Welche Schulterverletzungen beobachten Sie bei Wintersportler:innen am häufigsten, und wie entstehen sie meist?
OA Dr. Ambrozy: Besonders häufig sind Schulterluxationen, also Herausspringen des Oberarmknochens bei Stürzen auf den Arm. Rotatorenmanschettenrisse und Schlüsselbeinbrüche sind ebenfalls häufig, vor allem bei älteren Patient:innen. Bei jüngeren Patient:innen überwiegen Kapsel-Band-Verletzungen, während bei älteren Patient:innen häufiger Sehnenrisse auftreten.
Stoßen Sie in Ihrer täglichen Praxis häufiger auf langanhaltende Knie- oder Schulterprobleme, die auf frühere Wintersportunfälle zurückgehen?
EOA Dr. Leitner, MSc:
Im Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt behandeln wir überwiegend länger bestehende Beschwerden und Spätfolgen früherer Wintersportunfälle, etwa anhaltende Knie- oder Schulterprobleme. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf Prävention, um unsere Patient:innen bestmöglich dabei zu unterstützen, sicher und gut vorbereitet in die Wintersaison zu starten.
Wie wird eine Verletzung diagnostiziert?
OA Dr. Ambrozy: Die Diagnostik beginnt immer mit einer gründlichen klinischen Untersuchung, die bei Verdacht auf einen Knochenbruch durch eine Röntgenaufnahme ergänzt wird. Um Bänder, Menisken oder Sehnen exakt beurteilen zu können, ist die Magnetresonanztomografie das Verfahren der Wahl, zumal sie Weichteile besonders gut darstellt.
Wann ist eine Operation notwendig?
EOA Dr. Leitner, MSc:
Ob eine Operation notwendig ist, hängt vom Ausmaß der Verletzung ab. Instabile Kreuzbandrisse, komplette Sehnenrupturen, wiederholte Schulterluxationen und komplexe Frakturen erfordern in der Regel einen operativen Eingriff, während kleinere Bandverletzungen, Prellungen, stabile Brüche oder Muskelverletzungen konservativ behandelt werden können. Faktoren wie das Alter, Schwellung, Begleitverletzungen und Aktivitätsniveau der Patient:innen beeinflussen die Therapieentscheidung maßgeblich.
Wann ist eine Endoprothese sinnvoll?
EOA Dr. Leitner, MSc:
Eine Endoprothese wird nur eingesetzt, wenn das Gelenk irreparabel geschädigt ist, etwa durch schwere Arthrose oder komplexe Frakturen bei älteren Menschen. Bei akuten Verletzungen sollte eine Prothese möglichst vermieden werden, da die Ergebnisse in dieser Situation oft schlechter sind; stattdessen wird bevorzugt eine gelenkerhaltende Versorgung durchgeführt und eine Prothese, falls notwendig, zu einem späteren Zeitpunkt geplant.
Was raten Sie Patient:innenen mit künstlichem Gelenk?
OA Dr. Ambrozy: Für Menschen mit einem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk eignen sich sanfte Wintersportarten wie klassisches Langlaufen oder leichtes Skifahren auf einfachen Pisten, während intensives Snowboarden, Freeriden oder Sportarten mit starken Stoß- und Rotationsbelastungen gemieden werden sollten, um das Gelenk zu schützen.
Wie lange nach einer Endoprothesen-Operation ist Wintersport möglich?
EOA Dr. Leitner, MSc: Die Dauer hängt vom individuellen Mobilisationszustand nach der Operation ab und ist vor allem vom skifahrerischen Können des Patienten abhängig. Wenn Sie vor der Verletzung oder dem Unfall gut Skifahren konnten, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, auch nach einem Gelenksersatz wieder Ski zu fahren.
Prinzipiell empfiehlt es, dem Körper etwa 6 Monate für die Rehabilitation zu gönnen, bevor man wieder Wintersport treibt. Eine individuelle Beratung durch den behandelnden Arzt ist jedoch immer ratsam, um die persönliche Genesung optimal zu planen.
Was können Wintersportler tun, um Verletzungen zu vermeiden?
OA Dr. Ambrozy: Zur Vorbeugung von Verletzungen empfiehlt sich vor allem ein gezieltes Kraft- und Stabilisationstraining für Beine, Rumpf und Schultern. Zudem hilft es, sich vor dem Wintersport aufzuwärmen, die Skiausrüstung korrekt einzustellen, das Fahrverhalten an Können und Pistenbedingungen anzupassen und bei einem Sturz die Arme eng am Körper zu halten. Auch regelmäßige Pausen tragen dazu bei, Ermüdungsverletzungen zu vermeiden.

Kurzsteckbrief EOA Dr. Matthias Leitner, MSc
Facharzt für Orthopädie und Traumatologie
- Schwerpunkte: Gelenkserhaltende Kniechirurgie (Meniskus, Kreuzbandoperationen und Knorpelmanagement)
- Hüft- und Knieendoprothetik (Hüftprothese in muskelschonender minimal invasiver Technik AMIS, totale Knieendoprothese oder halber Gelenksersatz)
- Erster Oberarzt an der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt zuvor Univ. Klinik für Unfallchirurgie AKH Wien und Unfallchirurgie der Klinik Diakonissen in Schladming.

Kurzsteckbrief OA Dr. Peter Ambrozy
Facharzt für Orthopädie und Traumatologie
- Spezialist für Knie- und Gelenkchirurgie
- Oberarzt an der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt zuvor Oberarzt im Diakonissen Krankenhaus Schladming.
- Ausgezeichnet im DocFinder-Ranking
- Ziel: schnelle Genesung und langfristige Verbesserung der Lebensqualität der Patient:innen
- Teamarzt-Pool der Fußball U-Nationalteammannschaften
Hintergrund-Info
Seit 2006 ist das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt Teil der Gesundheitsgruppe des Ordens der Barmherzigen Brüder Österreich und hat die Entwicklung mitgestaltet.
Mit 1. August 2025 wurde die Österreichische Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder in „Barmherzige Brüder Ordensprovinz Europa Mitte“ umbenannt. Dies war gleichzeitig der Beginn des Vereinigungsprozesses mit der Bayerischen Ordensprovinz, welcher im Jänner 2026 mit dem gemeinsamen Provinzkapitel abgeschlossen sein wird.
Erfüllung der UN Sustainable Development Goals (SDG)
Mit den Bemühungen rund um das Thema „Patient Blood ManagementOrthopädie und Traumatologie“ trägt das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt auch zu einem 3 der insgesamt 17 „Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen bis 2030“ (SDGs) bei. Diese definieren das Erreichen von globalen und nachhaltigen Zielen.

Ziel 3 Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

Ziel 4
Hochwertige Bildung

Ziel 17
Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen

