Zu viele Medikamente im Alter?
Ziel ist es, Arzneimitteltherapien systematisch zu überprüfen, mögliche Wechselwirkungen frühzeitig zu erkennen und die Medikation individuell zu optimieren.
Besonders ältere Patient:innen mit Mehrfachmedikation profitieren von diesem Angebot, da Risiken reduziert und die Therapiesicherheit nachhaltig erhöht werden.
Polypharmazie als zunehmende Herausforderung
Viele ältere Patient:innen nehmen täglich zahlreiche Medikamente ein. Mit jeder zusätzlichen Verordnung steigt jedoch auch das Risiko für Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und vermeidbare Krankenhausaufenthalte. Polypharmazie ist damit eine der größten Herausforderungen in der medizinischen Versorgung älterer Menschen.
Um diesen Risiken gezielt zu begegnen, wird an der Abteilung für Innere Medizin des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder St. Veit an der Glan nun ein pharmazeutisches Konsil durchgeführt. Dabei arbeiten Ärzt:innen und Pharmazeut:innen eng zusammen, um bestehende Medikationen systematisch zu überprüfen und zu optimieren.

Patient:innen mit Polypharmazie (Einnahme von zehn oder mehr Tabletten täglich) profitieren hinsichtlich der Arzneimitteltherapiesicherheit von einem pharmazeutischen Konsil wie es im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan gehandhabt wird
Klinisch-pharmazeutische Expertise von Beginn an
„Wenn viele Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, steigt die Gefahr für unerwünschte Wirkungen deutlich“, erklärt Mag. Dr. Iris Wille, Leiterin der Anstaltsapotheke des Elisabethinen-Krankenhauses Klagenfurt. „Durch das pharmazeutische Konsil bringen wir klinisch-pharmazeutische Expertise direkt in den Stationsalltag ein und können Therapien gemeinsam mit dem ärztlichen Team sicherer gestalten.“
Die klinische Pharmazie ist dabei aktiv in die direkte Patientenbetreuung eingebunden und unterstützt das Behandlungsteam bereits früh im Behandlungsverlauf.
Medikamente gemeinsam überprüfen
Im Mittelpunkt des pharmazeutischen Konsils stehen vor allem ältere Patient:innen mit Herzinsuffizienz, die häufig mehrere Arzneimittel gleichzeitig einnehmen müssen. Im Konsil werden Medikationspläne gemeinsam analysiert – mit Blick auf Notwendigkeit, Dosierung, mögliche Wechselwirkungen und die individuelle klinische Situation. Ziel ist es, unnötige oder potenziell riskante Arzneimittel zu identifizieren und die Therapie bestmöglich anzupassen.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit auf der Station
Abteilungsvorstand Primarius Dr. Hans-Peter Gröchenig (Innere Medizin), Mag. Dr. Iris Wille, Leiterin der Anstaltsapotheke des Elisabethinen-Krankenhauses Klagenfurt und DGKP Anna Bernardi - Stationsleitung Interne Süd im fachlichen Austausch im Rahmen des pharmazeutischen Konsils.
Mehr Sicherheit an kritischen Schnittstellen
Ein besonderes Augenmerk liegt auf sensiblen Übergängen im Behandlungsverlauf – etwa bei der Aufnahme ins Krankenhaus, bei akuten Erkrankungen oder bei der Entlassung. Gerade hier kommt es häufig zu Medikationsfehlern.
Ein typisches Beispiel sind Infektionen mit Fieber, bei denen Antibiotika eingesetzt werden. Bestimmte Antibiotika können mit bestehenden Dauermedikamenten, etwa Cholesterinsenkern, problematische Wechselwirkungen eingehen. Solche Risiken werden im pharmazeutischen Konsil gezielt erkannt und vermieden.
Von der Aufnahme bis zur Entlassung
Ziel des Projekts ist ein sogenanntes „Closed Loop Medication Management“. Die Medikation wird vom Aufnahmegespräch über den gesamten stationären Aufenthalt bis zur Entlassung kontinuierlich überprüft, angepasst und klar dokumentiert. So soll sichergestellt werden, dass Patient:innen auch nach dem Krankenhausaufenthalt ihre Medikamente korrekt und sicher einnehmen können.
Verantwortung für sichere Therapien
„Nicht selten kommen Patienti:nnen mit zehn bis zwanzig verordneten Medikamenten zu uns – eine enorme Herausforderung für die sichere Therapie. Das pharmazeutische Konsil unterstützt unsere Abteilung dabei, diese komplexen Medikationspläne strukturiert zu überprüfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Behandlung gezielt zu optimieren“, erzählt Abteilungsvorstand und Internist Prim. Dr. Hans Peter Gröchenig aus der Praxis.
Patient:innen aktiv einbinden
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des pharmazeutischen Konsils ist das Empowerment der Patient:innen. „Durch verständliche Beratung und gezielte Information wird das Wissen über die eigene Medikation gestärkt. Das erhöht die Therapietreue und trägt wesentlich zur Sicherheit nach der Entlassung bei“, schildert Apothektenleiterin Mag. Dr. Iris Wille.
Zusammenarbeit mit dem Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt
Das pharmazeutische Konsil wurde gemeinsam mit dem Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt entwickelt, das das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit an der Glan bereits mit Arzneimitteln versorgt. Durch die regelmäßige Einbindung der klinischen Pharmazie wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit weiter gestärkt. Mag. Dr. Iris Wille ergänzt:
„Gemeinsam schaffen wir mehr Sicherheit im Umgang mit Arzneimitteln – besonders für ältere Menschen, die auf viele Medikamente angewiesen sind.
Erfüllung der UN Sustainable Development Goals (SDG)
Mit den Bemühungen rund um das Thema „Schutz vor Polipharmazie im Alter“ trägt das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt auch zu einem 3 der insgesamt 17 „Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen bis 2030“ (SDGs) bei. Diese definieren das Erreichen von globalen und nachhaltigen Zielen.

Ziel 3 Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

Ziel 4
Hochwertige Bildung

Ziel 17
Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen
