Wednesday 23. May 2012

Inhalt:

Chirurgische Therapie der weiblichen Harninkontinenz

Die transobturatorische vaginale Suspensionsoperation zur chirurgischen Therapie der weiblichen Belastungsharninkontinenz
Von Belastungsharninkontinenz bzw. Stressinkontinenz sind in Österreich statistischen Daten zufolge ca. 850.000 Frauen betroffen. Durch die Thematisierung dieses Krankheitsbildes und durch Entwicklung verbesserter Operationsmethoden wagen zunehmend mehr Patientinnen den Weg zum Arzt.

Mit der Einführung des tension free vaginal Tapes – TVT 1998 stand erstmals eine minimal invasive Suspensionsoperation als Therapieoption zur Verfügung. Unter dem weltweiten Einsatz und der ausgezeichneten Resultate entwickelte sich diese Technik zum „Golden Standard“ in der Inkontinenzkorrektur. Es blieben jedoch auf Grund des Implantationsweges Risiken der Blasenperforation und Verletzungen von Strukturen im Becken.

2003 kam es zur Revolution des Implantationsweges mit der Einführung des transobturatorischen Zugangs und von neuen transobturatorischen Bändern.

An der Urologischen Abteilung der Barmherzigen Brüder Wien wurde diese neue operative Technik sofort übernommen und sie wird seither erfolgreich bei allen Patientinnen mit Belastungsharninkontinenz eingesetzt.


Schematische Darstellung der Implantation einer transobturatorischen Schlinge

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Ein kleiner Schnitt wird unterhalb der Harnröhre an der Vorderfläche des Scheidengewölbes gelegt. (Dauerkatheter ist in der Harnröhre)

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Dann erfolgen zwei kleine Schnitte in der Leistenbeuge.

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Und nun wir die Schlinge mittels eines kleinen dünnen Hakens unter die Harnröhre gelegt.


Ätiologie und Pathophysiologie:

Die Belastungsharninkontinenz stellt eine Fehlfunktion des unteren Harntrakts dar. Sie wird als unwillkürlicher Harnabgang definiert, wenn durch abdominelle Druckerhöhung ( z.B. Husten, Pressen ) der Blasendruck den Verschlussdruck der Harnröhre übersteigt. Dieser Harnverlust äußert sich in unterschiedlichen Schweregraden.


Nach Stamey werden drei klinische Schweregrade unterschieden:

Grad I  :  Harnverlust unter schwerer körperlicher Belastung (Heben, Husten, Niesen)
Grad II :  Harnverlust unter leichter körperlicher Belastung (Aufstehen, Gehen)
Grad III:  Harnverlust auch im Liegen (totale Inkontinenz)

Ursache ist häufig eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur, ausgelöst durch Geburten, Übergewicht oder allgemeine Bindegewebsschwäche.


Diagnostik der Belastungsharninkontinenz:

Wichtigster Bestandteil und Grund der Diagnostik ist andere Ursachen der Inkontinenz auszuschließen. Darunter fallen Dranginkontinenz, Überlaufinkontinenz und Formen der neurogenen Blasenentleerungstörungen.

Die Abklärung der Inkontinenz sollte stufenweise erfolgen. Sie kann beim Hausarzt/ärztin beginnen, soll in Zusammenarbeit mit dem betreuenden Gynäkologen/in der Patientin erfolgen, da ein aktueller gynäkologischer Status vorliegen sollte, und wird beim niedergelassenen Urologen/in vertieft. Sind spezielle Untersuchungen erforderlich, wie z. B. eine Urodynamik, wird die Patientin meist an eine urologische Ambulanz eines Spitals überwiesen.


Die Basisdiagnostik erfordert Folgendes:
  1. Anamnese mit gezielter Befragung bzgl. Harnverlust
  2. Harnuntersuchung
  3. Urologischer Status (Ultraschall der Nieren, Blase, Restharn)
  4. Miktionsprotokoll

Zur Anamnese mit gezielter Befragung bzgl. Harnverlust

Bei der gezielten Befragung soll soweit wie möglich schon die Art der Inkontinenz herausgearbeitet werden, um die Belastungsinkontinenz von anderen Formen, wie Drang-, Überlaufinkontinenz oder neurogenen Blasenstörungen, abzugrenzen. Die jeweils erforderliche, weiterführende Diagnostik kann dann rasch eingeleitet werden. Im Falle der Belastungsinkontinenz sollten die Fragen auf den Beginn der Beschwerdesymtomatik, die Verknüpfung eines speziellen Ereignisses damit, bei welchen Gelegenheiten sie auftritt und wie sie den Alltag der Patientin beeinträchtigt, abzielen. Weitere Informationen über die Häufigkeit der Blasenentleerung tagsüber und nachts, Anzahl der verwendeten Vorlagen, Trinkmengen, bestehenden Krankheiten und Medikamenteneinnahme, die letzte gynäkologische Kontrolle, Voroperationen, usw. werden erhoben. Auch sollte die Patientin berichten, welche Therapien sie schon gegen die Inkontinenz angewendet hat und wie lange diese erfolgten. Bei älteren Damen empfiehlt es sich, gezielt nach Harnverlust zu fragen, da viele meinen, es gehöre zum Altern einfach dazu.


Zur Harnuntersuchung

Die Harnuntersuchung sollte einen Infekt der Harnwege, der oft mit Pollakisurie, Dranggefühl und auch Inkontinenz einhergeht, ausschließen. Liegt ein Infekt vor, muss dieser zuerst dem Harnkulturergebnis entsprechend therapiert werden, bevor eine Inkontinenzabklärung erfolgen kann, da eine floride Infektion die Diagnose erschweren und verfälschen kann.


Zum Urologischen Status (Ultraschall der Nieren, Blase, Restharn)

Beim Urologen/in wird eine klinische Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf das äußere Genitale durchgeführt, wo Atrophien, Urethralkarunkel, hochgradige Meatusengen, die eine spezielle Therapie erfordern, auffallen sollten. Ein Ultraschall der Nieren und der Blase erfolgt ebenfalls zum Ausschluss von Pathologien. Der Restharnbestimmung mittels Ultraschall kommt bei der Inkontinenzabklärung eine besondere Bedeutung zu, da so eine Überlaufinkontinenz oder neurogene Blasenentleerungsstörung von einer Belastungsinkontinenz unterschieden werden kann. Bei der Inkontinenzabklärung kann anschließend auch die Sensibilität im Reithosenbereich, die Kraft des Spincters ani durch willkürliches Kneifen, als auch ein klinischer Stresstest (= Husten bei voller Blase) durchgeführt werden. Diese Untersuchungen können schon deutliche Hinweise geben, ob es sich um die von der Patientin angegebene Belastunginkontinenz handelt.


Zum Miktionsprotokoll

Das führen eines Miktionsprotokolls, d.h. die schriftliche Aufzeichnung über Häufigkeit und Menge der Blasenentleerung, Notizen über unfreiwilligen Harnabgang und Trinkmengen, als auch Angabe über die Anzahl der verwendeten Vorlagen, ist obligat. Das Protokoll soll über mindestens 24 Stunden geführt werden. Jegliche Medikation, die die Blasenfunktion beeinflusst, muss abgesetzt werden. Aus einem gut geführten Protokoll kann der/die Facharzt/ärztin schon eine Menge an Informationen herauslesen, die Beschwerden werden objektiviert und die Aufzeichnungen sind für einen Verlaufskontrolle äußerst nützlich. Mit von Firmen zur Verfügung gestellten Vordrucken ist jede Patientin in der Lage, ein informatives und verwertbares Protokoll zu erstellen.


Urodynamik:

Da es sich in nur ca. einem Drittel der Fälle um eine reine Belastungsinkontinenz handelt, werden spezielle Untersuchungen zur genauen Differenzierung der Inkontinenz eingesetzt. Dies geschieht meist in urologischen Spezialambulanzen. Hier werden urodynamische Messungen und spezielle Röntgenuntersuchungen verwendet, um eine exakte Diagnose zu erstellen. Auch wenn konservative Maßnahmen versagen und die Patientin einer operativen Therapie zugeführt werden soll, erfolgt diese erst nach Durchführung einer Urodynamik. An einem speziell ausgestatteten Messplatz werden eine Zystomanometrie, ein Urethradruckprofil in Ruhe und unter Belastung (Hustenstöße) und eine Uroflowmetrie durchgeführt. Ein Elektromyogramm des Beckenbodens wird simultan aufgezeichnet. Nach Abschluss der Messung kann über die  Blasenfunktion in Füllungs-, Speicher- und Entleerungsphase, den Ablauf der Miktion, über eine eventuelle Obstruktion und die Beckenbodenaktivität Auskunft gegeben werden. Auch ist meist eine eindeutige Klassifizierung der Inkontinenz möglich und es kann die Indikation zur operativen Sanierung bei Vorliegen einer Belastungsinkontinenz gestellt werden.
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