Fitness-Boom mit Schattenseite
Intensive Trainingsprogramme, falsche Übungsausführungen und eine hohe Belastung bei komplexen Bewegungsabläufen im Fitnessstudio führen häufig zu Überlastungen. Die Schulterexpertin betont, dass insbesondere fehlende Technik, zu hohe Gewichte und mangelnde Regeneration das Risiko für Verletzungen deutlich erhöhen.
Mehr Überlastungsschäden durch intensives Training
Während die Zahl klassischer, akuter Sportverletzungen wie Schulterluxationen, Schlüsselbeinbrüche oder Verletzungen des Schultereckgelenks in den letzten Jahren relativ konstant geblieben ist, hat sich das Bild der Schulterverletzungen deutlich verändert. Immer häufiger behandeln Ärzt:innen Überlastungsschäden, die im Zusammenhang mit intensivem Training im Fitnessstudio stehen. Dazu zählen insbesondere Verletzungen der langen Bizepssehne, Schäden an der Rotatorenmanschette sowie funktionelle und degenerative Überlastungssyndrome.
„Wir sehen heute mehr Überlastungsschäden der Schulter, die im Zusammenhang mit intensiven Trainingsprogrammen stehen“, erklärt Dr. Stefanie Djahani, Fachärztin für Orthopädie und orthopädische Chirurgie sowie Schulterexpertin am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt.

OÄ Dr. Stefanie Djahani, Fachärztin für
Orthopädie und orthopädische Chirurgie
am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt
Schulter: Beweglich, aber verletzlich
Die Schulter ist eines der beweglichsten Gelenke des menschlichen Körpers – und gerade deshalb besonders anfällig für Verletzungen. Im Gegensatz zu anderen Gelenken wird die Bewegung im Schultergelenk wenig durch knöcherne Strukturen gelenkt.
Den Großteil der Stabilität übernehmen Muskeln und Sehnen, allen voran die sogenannte Rotatorenmanschette, die das Gelenk in nahezu allen Bewegungen führt.
Gerade bei Trainingsformen mit hoher Intensität, schweren Gewichten und komplexen Bewegungsabläufen kann dieses empfindliche Zusammenspiel leicht aus dem Gleichgewicht geraten. Wenn Ermüdung einsetzt, leidet häufig die Technik – und damit steigt das Risiko für Überlastungen und Verletzungen.
Verändertes Patientenprofil
Auffällig ist laut der Expertin auch ein verändertes Patientenprofil. Während früher vor allem junge Männer mit Schulterverletzungen durch intensives Krafttraining auffielen, suchen heute zunehmend auch junge Frauen medizinische Hilfe.
Ein möglicher Risikofaktor liegt in einer häufigeren genetisch bedingten Lockerheit des Bindegewebes. Diese sogenannte Hyperlaxizität führt dazu, dass Gelenke beweglicher sind, gleichzeitig aber eine besonders gute muskuläre Stabilisierung benötigen.
Gerade bei beweglicheren Gelenken ist eine präzise Bewegungsausführung im Training besonders wichtig“, betont die Fachärztin Dr. Djahani.

Zu hohe Gewichte, zu viele Wiederholungen und eine unsaubere Technik gehören zu den häufigsten Ursachen für Schulterbeschwerden im Training. Wer Schmerzen ignoriert, riskiert langfristige strukturelle Schäden – trainiere bewusst und höre auf deinen Körper.
Typische Trainingsfehler
Zu den häufigsten Ursachen für Schulterbeschwerden zählen zu hohe Trainingsgewichte, zu viele Wiederholungen und eine unsaubere Technik. Das Ignorieren von Schmerzen erhöht das Risiko für strukturelle Schäden.
„Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers und können auf eine Überlastung hinweisen. Werden diese Signale ignoriert, kann sich daraus eine chronische Schädigung entwickeln – in weiterer Folge sogar ein Sehnenriss“, warnt die Orthopädin.
Neben akuten Verletzungen können degenerative Veränderungen begünstigt werden, darunter auch Kalkablagerungen (Tendinitis calcarea).
Prävention: Technik vor Gewicht
Um Schulterverletzungen vorzubeugen, rät die Expertin vor allem zu einer sauberen Technik und einem ausgewogenen Training der schulterumgreifenden Muskulatur. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Muskulatur zwischen den Schulterblättern sowie eine funktionierender „skapulohumeraler Rhythmus“. Dieser beschreibt das koordinierte Zusammenspiel von Schulterblatt und Oberarm und sollte im Rahmen eines Screenings gezielt auf muskuläre Dysbalancen überprüft werden. Ebenso wichtig sind ein ausreichendes Aufwärmen und – besonders bei neuen Trainingsformen – eine professionelle Anleitung im Fitnessstudio. Fehlbewegungen, asymmetrische Belastungen oder unphysiologische Achsen können so frühzeitig vermieden werden.
Ein zentraler Punkt ist dabei das sogenannte „Load Management“: Trainingsumfänge und -intensitäten sollten kontrolliert und schrittweise gesteigert werden – die häufig empfohlene Steigerung beträgt 5–10 % pro Woche. Sehnen reagieren besonders empfindlich auf plötzliche Belastungsspitzen, was das Risiko für Reizungen und Verletzungen deutlich erhöht. Gleichzeitig kann exzentrisches, gut gesteuertes Training die Sehnenstabilität verbessern und zu besserer Kontrolle sowie höherer Stabilität im Schulterbereich beitragen.
Der wichtigste Trainingsgrundsatz bleibt jedoch einfach: „Die korrekte Ausführung der Übungen sollte immer Vorrang vor Gewicht oder Trainingsfrequenz haben. Wenn die Technik stimmt, steigt die Belastbarkeit der Schulter ganz von selbst“, so die Expertin OÄ Dr. Djahani.
Hintergrund-Info
Seit 2006 ist das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt Teil der Gesundheitsgruppe des Ordens der Barmherzigen Brüder Österreich und hat die Entwicklung mitgestaltet.
Mit 1. August 2025 wurde die Österreichische Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder in „Barmherzige Brüder Ordensprovinz Europa Mitte“ umbenannt. Dies war gleichzeitig der Beginn des Vereinigungsprozesses mit der Bayerischen Ordensprovinz, welcher im Jänner 2026 mit dem gemeinsamen Provinzkapitel abgeschlossen wurde.
ERFÜLLUNG DER UN-SUSTAINABLE-DEVELOPMENT-GOALS (SDG)
Mit den Bemühungen rund um die „Orthopädie und Traumatologie“ trägt das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt auch zu 8 der insgesamt 17 „Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen bis 2030“ (SDGs) bei. Diese definieren das Erreichen von globalen und nachhaltigen Zielen.

Ziel 3 Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.

Ziel 4: Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.

Ziel 17 Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen.
