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Fußball WM-2026 „Das Knie verzeiht im Fußball keine Fehler“

Mit dem Start der Fußball-WM am 11. Juni rückten nicht nur Tore und Titelkämpfe in den Mittelpunkt, sondern auch die enorme körperliche Belastung der Spieler.
OA Dr. Peter Ambrozy, Orthopäde und Traumatologe am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt, beschäftigt sich täglich mit Sportverletzungen – von Muskelrissen bis hin zu komplexen Knieverletzungen.

Im Interview spricht der Facharzt und Teamarzt im Pool der Nachwuchs-Nationalmannschaften des ÖFB über die häufigsten Fußballverletzungen, die Grenzen des Körpers und die Bedeutung von Prävention und warum Hobby-Kicker vom Teamarzt sogar gebremst werden müssen.

 

 

Welche Verletzungen sehen Sie bei Fußballer:innen am häufigsten?

OA Dr. Peter Ambrozy: Fußballsport ist extrem schnell und dynamisch geworden. Am häufigsten sehen wir Muskelverletzungen, vor allem Zerrungen oder Muskelfaserrisse an der Oberschenkelrückseite, den sogenannten Hamstrings. Dicht darauf folgen Bandverletzungen im Sprunggelenk – das klassische Umknicken nach einem Zweikampf oder bei der Landung. Und natürlich nehmen Verletzungen des Kniegelenks, wie Meniskus- und Bänderrisse, einen großen und leider oft auch schwerwiegenden Teil des Verletzungsspektrums ein.

 

 

Spieler am Rasen liegend

Knieverletzungen zählen zu den häufigsten und folgenschwersten Problemen im Fußball. OA Dr. Peter Ambrozy erklärt im Interview, warum gerade Kreuzbandrisse für Spieler:innen oft monatelange Folgen haben.

 

 

Kreuzbandrisse sorgen bei großen Turnieren immer wieder für Schlagzeilen. Warum sind gerade Knieverletzungen im Fußball so gefürchtet?

Das hat vor allem zwei Gründe: die Dauer der Ausfallzeit und die Komplexität der Verletzung. Ein gerissenes vorderes Kreuzband bedeutet für Profisportler:innen in der Regel sechs bis neun Monate Pause. Das Knie ist ein Gelenk, das im Fußball bei jedem Richtungswechsel, jedem Abstoppen und jedem Schuss enormen Rotations- und Scherkräften ausgesetzt ist. Wenn hier ein zentraler Stabilisator wie das Kreuzband ausfällt, gerät das gesamte biomechanische System aus dem Gleichgewicht. Dazu kommt die mentale Belastung: Viele Spieler kämpfen sich über Monate durch die Rehabilitation – immer mit der Frage im Hinterkopf, ob das Knie der Belastung später wieder standhalten wird.

 

 

Wie hoch ist die körperliche Belastung bei einem internationalen Turnier wie einer Weltmeisterschaft tatsächlich?

Die Belastung bewegt sich absolut am Limit dessen, was der menschliche Körper leisten kann. Wir sprechen hier von Spielen auf höchstem Intensitätsniveau, bei denen Spieler zehn bis 13 Kilometer laufen – ergänzt durch unzählige hochintensive Sprints und abrupte Richtungswechsel. Dazu kommt die enorme Taktung: Alle drei bis vier Tage ein Spiel, oft verbunden mit Reisestress, klimatischen Umstellungen und großem psychischem Druck. Die eigentliche Herausforderung bei einem Turnier ist deshalb oft weniger das Spiel selbst als die fehlende Regenerationszeit zwischen den Partien.

 

 

Wo liegen aus orthopädischer Sicht die größten Unterschiede zwischen Profi- und Hobbyfußball?

Der Körper von Profisportler:innen ist ein Hochleistungsapparat, der täglich trainiert und von einem gesamten Team aus Ärzt:innen, Physiotherapeut:innen und Athletiktrainer:innen betreut wird. Wenn sich Profis verletzen, passiert das meist aufgrund der enormen Geschwindigkeiten und Krafteinwirkungen.

Beim Hobbyfußball sehen wir dagegen häufig das Problem der unzureichenden Vorbereitung. Wer unter der Woche überwiegend sitzt und am Wochenende ohne richtiges Aufwärmen in den Vollsprint geht, riskiert strukturelle Verletzungen wie Achillessehnenrisse oder schwere Muskelverletzungen. Dem Gewebe fehlt oft die notwendige Belastungstoleranz, muskuläre Dysbalancen bleiben häufiger unkorrigiert.

 

 

Die moderne Sporttraumatologie hat enorme Fortschritte gemacht. Wie hat sich die Behandlung von Fußballverletzungen verändert?

Wir arbeiten heute deutlich gewebeschonender und individueller als noch vor einigen Jahren. Chirurgisch erfolgen viele Eingriffe minimalinvasiv, was die Narbenbildung und die postoperative Ausfallzeit deutlich reduziert. Gleichzeitig versuchen wir heute viel häufiger, Strukturen wie den Meniskus zu erhalten und zu nähen, anstatt sie zu entfernen. Das spielt langfristig für die Gelenkgesundheit eine entscheidende Rolle.

 

 

Wann reicht bei typischen Fußballverletzungen eine konservative Therapie – und wann führt kein Weg an einer Operation vorbei?

Konservativ – also ohne Operation – behandeln wir heute fast alle Muskelverletzungen, einfache Bänderdehnungen oder auch isolierte Außenbandverletzungen am Sprunggelenk. Mit gezielter Physiotherapie, Lymphdrainage und Belastungssteuerung heilt das meist sehr gut aus. Ein operativer Eingriff wird dann notwendig, wenn die Gelenkstabilität dauerhaft gefährdet ist. Das ist etwa bei einem vorderen Kreuzbandriss bei aktiven Fußballer:innen häufig der Fall. Auch verschobene Knochenbrüche, größere Knorpelschäden oder blockierende Meniskusrisse müssen operativ versorgt werden, um das Gelenk langfristig vor frühzeitigem Verschleiß zu schützen.

 

 

Welche Rolle spielen Regeneration, Muskelaufbau und Prävention, um Verletzungen möglichst zu vermeiden?

Sie sind das Fundament. Prävention ist die beste Therapie, die wir haben. Eine gut trainierte Rumpfmuskulatur und eine exzellente neuromuskuläre Kontrolle schützen die Gelenke in Extremsituationen wie ein innerer Airbag. Spezielle Aufwärmprogramme können die Verletzungsrate deutlich reduzieren.

Und auch Regeneration wird oft unterschätzt: Wer schlecht schläft, sich falsch ernährt oder kleine Beschwerden ignoriert, erhöht sein Verletzungsrisiko massiv. Ermüdung ist einer der größten Feinde der Gelenkstabilität.

 

 

Sie betreuen junge Spieler als Teamarzt im U-Nationalteam-Bereich. Welche Verletzungen oder Überlastungen nehmen dort derzeit zu?

Wir sehen eine deutliche Zunahme an wachstumsbedingten Überlastungsschäden. Die jungen Talente trainieren heute bereits in den Akademien mit enormen Umfängen. Kommt dann noch ein starker Wachstumsschub dazu, reagieren häufig die Sehnenansätze gereizt – etwa an der Kniescheibe, am Schienbeinkopf oder an der Ferse.

Die Spieler:innen sind extrem motiviert, wollen sich für höhere Aufgaben empfehlen und gehen oft zu lange über Schmerzgrenzen hinweg. Unsere wichtigste Aufgabe als medizinische Betreuung ist deshalb die richtige Belastungssteuerung. Wir müssen junge Spieler:innen manchmal eher bremsen als zusätzlich antreiben – damit sie nicht nur kurzfristig leistungsfähig sind, sondern auch langfristig gesund bleiben.

 

Zur Person

OA Dr. Peter Ambrozy

 

Oberarzt Dr. Peter Ambrozy

ist Facharzt für Orthopädie und Traumatologie am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt und spezialisiert auf Knieverletzungen, Sportorthopädie und moderne Gelenkchirurgie.

Ambrozy ist auch Teamarzt im Pool der Nachwuchsmannschaften des ÖFB.

Im aktuellen DocFinder-Ranking erreichte er Platz zwei der beliebtesten Orthopäden und Traumatologen Kärntens.

 

 

 

Hintergrund-Info

 

Seit 2006 ist das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt Teil der Gesundheitsgruppe des Ordens der Barmherzigen Brüder Österreich und hat die Entwicklung mitgestaltet.


Mit 1. August 2025 wurde die Österreichische Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder in „Barmherzige Brüder Ordensprovinz Europa Mitte“ umbenannt. Dies war gleichzeitig der Beginn des Vereinigungsprozesses mit der Bayerischen Ordensprovinz, welcher im Jänner 2026 mit dem gemeinsamen Provinzkapitel abgeschlossen wurde.

 

 

ERFÜLLUNG DER UN-SUSTAIN­ABLE-­DEVELOP­MENT-­GOALS (SDG)

Mit den Bemü­hungen rund um die „Orthopädie und Traumatologie“ trägt das Elisa­bethi­nen-Kran­ken­haus Kla­gen­furt auch zu 3 der insge­samt 17 „Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen bis 2030“ (SDGs) bei. Diese defi­nie­ren das Errei­chen von glo­ba­len und nach­hal­tigen Zie­len.

 

Ziel 3 Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewähr­leis­ten und ihr Wohl­ergehen fördern.

 

Ziel 4: Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.

 

Ziel 17 Umsetzungs­mittel stärken und die Globale Partner­schaft für nach­haltige Ent­wick­lung mit neuem Leben er­füllen.

 

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