Mehr als Blutzucker: Wie moderne Diabetesmedizin Leben verändert
Neue Medikamente, digitale Technologien und ein erweitertes Verständnis der Erkrankung verändern die Diabetesbehandlung grundlegend. „Wir behandeln Diabetes heute deutlich umfassender als noch vor wenigen Jahren“, sagt Prim. Priv. Doz. Dr. Gerd Köhler, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt. „Längst geht es nicht mehr nur um die Senkung des Blutzuckers, sondern auch um den Schutz von Herz und Nieren sowie um die Bedeutung des Körpergewichts für den Krankheitsverlauf.“ Deshalb orientiert sich die moderne Diabetologie heute nicht mehr ausschließlich am HbA1c-Wert. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den aktuellen Leitlinien der Österreichischen Diabetes Gesellschaft wider: Bei vielen Patient:innen bestimmen Begleiterkrankungen maßgeblich die Wahl der Therapie.

Moderne Diabetesmedizin geht heute weit über die reine Blutzuckerkontrolle hinaus. Innovative Medikamente, kontinuierliche Glukosemessung und intelligente Insulinpumpen tragen dazu bei, Herz und Nieren zu schützen, das Gewicht positiv zu beeinflussen und die Lebensqualität von Menschen mit Diabetes nachhaltig zu verbessern.
Herz- und Nierenschutz als neues Therapieziel
Zu den wichtigsten Fortschritten der vergangenen Jahre zählt die Entwicklung von Medikamenten, die weit mehr leisten als eine reine Blutzuckersenkung. Moderne Wirkstoffe können nachweislich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken und die Nierenfunktion schützen. „Früher stand die Stoffwechselkontrolle im Vordergrund. Heute wissen wir, dass wir gleichzeitig Organe schützen und das Risiko schwerer Folgeerkrankungen reduzieren können“, erklärt Köhler.
Damit hat sich die Zielsetzung der Therapie verändert: Nicht nur bessere Zuckerwerte, sondern ein möglichst umfassender Schutz vor diabetesbedingten Komplikationen.
Gewichtsreduktion rückt in den Mittelpunkt
Die Behandlung von Übergewicht und Adipositas hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Moderne GLP-1- und GIP-basierte Therapien ermöglichen Gewichtsverluste, die noch vor wenigen Jahren kaum erreichbar waren. Für viele Patient:innen verbessert sich dadurch nicht nur der Zuckerstoffwechsel. Auch Blutdruck, Fettstoffwechsel und körperliche Belastbarkeit profitieren von einer nachhaltigen Gewichtsabnahme. „Wir sehen immer deutlicher, welchen Einfluss das Körpergewicht auf die Entwicklung und den Verlauf eines Typ-2-Diabetes hat“, sagt Köhler.
In einzelnen Fällen kann eine deutliche Gewichtsreduktion sogar dazu führen, dass keine diabetesbezogene Therapie mehr erforderlich ist. Fachleute sprechen dann von einer Diabetes-Remission.
Sensoren und Pumpen verändern den Alltag
Nicht nur Medikamente entwickeln sich weiter – auch technische Innovationen erleichtern vielen Menschen mit Diabetes den Alltag. Kontinuierliche Glukosemesssysteme liefern rund um die Uhr Informationen über den Glukoseverlauf und ermöglichen eine präzisere Therapieanpassung.
Dadurch gewinnen neue Kennzahlen wie die sogenannte „Time in Range“ an Bedeutung. Sie zeigt, wie lange sich die Glukosewerte im empfohlenen Zielbereich befinden und ergänzt den klassischen HbA1c-Wert.
Vor allem für Menschen mit Typ-1-Diabetes haben moderne Hybrid-Closed-Loop-Systeme die Behandlung verändert. Dabei kommunizieren Glukosesensor und Insulinpumpe miteinander, sodass die Insulinabgabe teilweise automatisiert erfolgt.
„Diese Systeme nehmen Patientinnen und Patienten viele Entscheidungen im Alltag ab und sorgen häufig für stabilere Glukosewerte“, erklärt Köhler.
Moderne Diabetesversorgung am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt
Mit Prim. Priv. Doz. Dr. Gerd Köhler wurde die diabetologische Expertise am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt gezielt erweitert. Die Abteilung für Innere Medizin betreut Patient:innen mit sämtlichen Diabetesformen und setzt auf wissenschaftlich fundierte Diagnostik, individuell abgestimmte Therapien und den Einsatz aktueller Technologien. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Versorgung von Menschen mit Typ-1-Diabetes, der Anwendung von Sensor- und Pumpensystemen sowie der Behandlung komplexer Stoffwechselerkrankungen. Patient:innen mit Typ-2-Diabetes profitieren von modernen medikamentösen Konzepten und einer umfassenden persönlichen Betreuung.
Ein Blick in die Zukunft
Die Forschung in der Diabetologie entwickelt sich mit hoher Geschwindigkeit weiter. Neue Wirkstoffkombinationen, oral verfügbare Inkretin-Therapien und zunehmend automatisierte Insulinsysteme werden die Behandlung in den kommenden Jahren weiter verbessern. „Die Möglichkeiten für unsere Patient:innen waren noch nie so vielfältig wie heute“, sagt der neue Primar Doz. Dr. Köhler. „Entscheidend ist, gemeinsam die Therapie zu finden, die am besten zur individuellen Lebenssituation passt.“
Zur Person

Prim. Priv. Doz. Dr. Gerd Köhler leitet seit April 2026 die Abteilung für Innere Medizin am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt.
Der Internist, Endokrinologe und Diabetologe ist Vorsitzender des Technologieausschusses der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, Mitautor nationaler Leitlinien und einer der profiliertesten österreichischen Experten für Diabetes-Technologie, Stoffwechselmedizin und Adipositastherapie.
Fünf Entwicklungen, die die
Diabetes-Therapie verändert haben
- Herz- und Nierenschutz
Moderne Medikamente schützen Organe zusätzlich zum Blutzucker
- Gewichtsverlust als Therapie
Neue Wirkstoffe unterstützen eine deutliche Gewichtsabnahme.
- Diabetes-Remission
Bei manchen Patient:innen kann sich Typ-2-Diabetes zurückbilden.
- Glukosesensoren
Kontinuierliche Messungen ersetzen zunehmend den Fingerstich.
- Automatisierte Insulintherapie
Sensoren und Pumpen arbeiten heute eng zusammen.
Hintergrund-Info
Seit 2006 ist das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt Teil der Gesundheitsgruppe des Ordens der Barmherzigen Brüder Österreich und hat die Entwicklung mitgestaltet.
Mit 1. August 2025 wurde die Österreichische Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder in „Barmherzige Brüder Ordensprovinz Europa Mitte“ umbenannt. Dies war gleichzeitig der Beginn des Vereinigungsprozesses mit der Bayerischen Ordensprovinz, welcher im Jänner 2026 mit dem gemeinsamen Provinzkapitel abgeschlossen wurde.
ERFÜLLUNG DER UN-SUSTAINABLE-DEVELOPMENT-GOALS (SDG)
Mit den Bemühungen rund um die „Moderne Diabetestherapie“ trägt das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt auch zu 3 der insgesamt 17 „Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen bis 2030“ (SDGs) bei. Diese definieren das Erreichen von globalen und nachhaltigen Zielen.

Ziel 3 Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.

Ziel 4: Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.

Ziel 17 Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen.
