Telemonitoring ergänzt die Rehabilitation älterer Menschen
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus beginnt für viele Patient:innen der entscheidende Teil der Rehabilitation. Übungen müssen regelmäßig durchgeführt, Fortschritte beobachtet und Therapiepläne bei Bedarf angepasst werden. Das EU-Projekt „RehAllianCE“ in Kooperation mit der Fachhochschule Kärnten hat untersucht, welchen Beitrag digitale Telemonitoring-Systeme leisten können. Am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt testeten seit Oktober des Vorjahres zehn Patient:innen ab 60 Jahren ein digitales Betreuungskonzept für die Rehabilitation zuhause.
Zum Einsatz kamen eine Smartwatch, ein Blutdruckmessgerät, ein Tablet mit digitalem Trainingsprogramm...Die Teilnehmenden führten ihre Übungen im häuslichen Umfeld durch. Gleichzeitig übermittelten die Geräte Vital- und Bewegungsdaten an ein Webportal. Die behandelnden Physiotherapeut:innen konnten den Therapieverlauf verfolgen und die Trainingsprogramme bei Bedarf anpassen, ohne dass für jede Änderung ein persönlicher Termin erforderlich war.
Über ein digitales Webportal konnten Physiotherapeut:innen Vital- und Bewegungsdaten einsehen und die Rehabilitation ihrer Patient:innen auch zwischen den Therapieterminen begleiten.
Rückmeldung stärkt die Eigenverantwortung
Die Auswertung des Pilotprojekts zeigt eine insgesamt gute Akzeptanz des Systems. Viele Teilnehmer:innen nutzten die Rückmeldungen zu ihrer täglichen Bewegung, um den eigenen Fortschritt besser einzuordnen. Besonders die Schrittzahl erwies sich als verständliche Orientierung im Alltag und motivierte dazu, die Übungen regelmäßig durchzuführen. „Gerade ältere Menschen möchten nach einem Krankenhausaufenthalt ihre Selbstständigkeit möglichst rasch wiedererlangen. Digitale Unterstützung kann dabei helfen, Fortschritte sichtbar zu machen und den Kontakt zur Physiotherapie auch zuhause aufrechtzuerhalten. Entscheidend bleibt aber die persönliche Begleitung. Unsere Erfahrungen aus RehAllianCE zeigen, dass digitale Lösungen ihr Potenzial vor allem dann entfalten, wenn sie die therapeutische Betreuung ergänzen und nicht ersetzen“, sagt Oberärztin Dr. Patricia Walentiny, Leiterin des Departments für Akutgeriatrie und Remobilisation am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt (am Bild zu sehen).
Auch die beteiligten Physiotherapeut:innen bewerteten das Telemonitoring positiv. Vor allem für Patient:innen mit eingeschränkter Mobilität oder längeren Anfahrtswegen kann die digitale Begleitung den Kontakt zwischen den Therapieterminen erleichtern.
Persönliche Therapie bleibt unverzichtbar
Das Pilotprojekt machte zugleich deutlich, wo digitale Systeme derzeit an ihre Grenzen stoßen. Die Bedienung fiel den Teilnehmenden unterschiedlich leicht und hing wesentlich von ihren digitalen Vorkenntnissen ab. Außerdem dokumentierte das System zwar Vitalparameter und Aktivitätsdaten, nicht aber zuverlässig, welche Übungen tatsächlich durchgeführt wurden. Eine statistisch signifikante Verbesserung der Therapieadhärenz ließ sich im Untersuchungszeitraum daher nicht nachweisen.
Das Fazit fällt entsprechend differenziert aus. Digitale Rehabilitationsangebote können die ambulante Versorgung älterer Menschen sinnvoll ergänzen. Den größten Nutzen versprechen Konzepte, die digitale Begleitung und persönliche physiotherapeutische Betreuung miteinander verbinden. Voraussetzungen dafür sind einfach bedienbare Anwendungen, eine bessere Verknüpfung der erhobenen Gesundheitsdaten mit dem Therapieverlauf und geeignete Rahmenbedingungen für den Einsatz in der Regelversorgung.
Wissenschaftliche Begleitung
Das Projekt wird wissenschaftlich vom Institute for Applied Research on Ageing (IARA) an der FH-Kärnten unter Leitung von Johannes Oberzaucher begleitet. „Unsere Aufgabe ist es, die Wirksamkeit der entwickelten Lösungen kontinuierlich zu evaluieren, um die Versorgung der älteren Generation in ganz Europa nachhaltig zu verbessern“, so Dr. Oberzaucher.

Wissenschaft @work: FH-Prof. DI Dr. techn. Johannes Oberzaucher und
Maja Četić, Junior Researcher von der FH Kärnten
Erfüllung der UN Sustainable Development Goals (SDG)
Mit den Bemühungen rund um das Thema „Altersfreundlichkeit“ trägt das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt auch zu einem 3 der insgesamt 17 „Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen bis 2030“ (SDGs) bei. Diese definieren das Erreichen von globalen und nachhaltigen Zielen.

Ziel 3 Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

Ziel 4
Hochwertige Bildung

Ziel 17
Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen
