Nach dem Sturz zurück ins Leben
Die Zahl älterer Menschen nimmt kontinuierlich zu – und damit auch die Zahl sturzbedingter Krankenhausaufenthalte. Das Department für Akutgeriatrie und Remobilisation des Elisabethinen-Krankenhauses Klagenfurt, das auf die Behandlung älterer Menschen spezialisiert ist, erlebt diese Entwicklung täglich. Bereits heute stürzt etwa jede dritte Person über 65 Jahre mindestens einmal pro Jahr. Bei Hochbetagten ist nahezu jede zweite Person betroffen. Frauen stürzen häufiger als Männer, das Risiko steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.
Hinter einem Sturz steckt meist nicht nur eine Ursache. Nachlassende Muskelkraft, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall oder Parkinson, Diabetes, Infektionen, Demenz, Schmerzen oder eine eingeschränkte Sehkraft können das Sturzrisiko ebenso erhöhen wie ungeeignetes Schuhwerk.

Ein Sturz betrifft selten nur die betroffene Person. Häufig sind auch Angehörige mit den körperlichen und emotionalen Folgen konfrontiert. Im Department für Akutgeriatrie und Remobilisation des Elisabethinen-Krankenhauses Klagenfurt stehen deshalb sowohl die Wiederherstellung der Mobilität als auch die Rückkehr in ein möglichst selbstständiges Leben im Mittelpunkt.
Mehr als die Behandlung einer Verletzung
Die unmittelbaren Folgen eines Sturzes reichen von Prellungen und Abschürfungen bis zu Knochenbrüchen oder inneren Verletzungen. Oft sind es jedoch die langfristigen Auswirkungen, die den Alltag verändern. Viele Betroffene verlieren das Vertrauen in die eigene Beweglichkeit und vermeiden aus Angst vor einem weiteren Sturz körperliche Aktivität. Muskelkraft und Gleichgewicht nehmen dadurch weiter ab – ein Kreislauf, der bis zur Pflegebedürftigkeit führen kann. „Ein Sturz ist selten Zufall. Meist kommen mehrere gesundheitliche und funktionelle Faktoren zusammen. Deshalb behandeln wir nicht nur die Verletzung, sondern suchen gezielt nach den Ursachen. Nur wenn wir diese erkennen und gemeinsam mit den und Patient:innen daran arbeiten, lässt sich das Risiko weiterer Stürze nachhaltig senken“, erklärt Departmentleiterin OÄ Dr. Patricia Walentiny, Fachärztin für Innere Medizin mit Additivfach Geriatrie.
Jede Therapie beginnt mit einer umfassenden Abklärung
Zu Beginn des Aufenthalts werden Mobilität, Gleichgewicht und das persönliche Sturzrisiko erhoben. Daraus entwickelt das multiprofessionelle Team aus Ärzt:innen, Pflege, Physio- und Ergotherapeut:innen, Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen einen individuellen Behandlungsplan.
Das Training richtet sich konsequent nach den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Patient:innen. Es umfasst Krafttraining, Ergometertraining, Gehübungen auf ebenen Flächen und im Stiegenbereich sowie gezielte Gleichgewichtsübungen. Ebenso wichtig ist der Umgang mit der Sturzangst. Sie wird aktiv angesprochen und in die Therapie einbezogen, denn wer sich aus Unsicherheit immer weniger bewegt, verliert weitere körperliche Fähigkeiten.
„Reablement“: Den Alltag wieder selbst bewältigen
Ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung im Rahmen der Ambulanten Geriatrischen Remobilisation ist das „Reablement“ – eine alltagsorientierte Rehabilitation. Ziel ist es, verloren gegangene Fähigkeiten wieder aufzubauen und Patient:innen dabei zu unterstützen, ihren Alltag möglichst selbstständig zu bewältigen.
Bereits bei der Aufnahme erfolgt zusätzlich ein Wohnraumassessment. Gemeinsam mit Patient:innen und Angehörigen werden mögliche Sturzquellen in der häuslichen Umgebung besprochen – etwa lose Teppiche, Kabel oder andere Hindernisse. Gleichzeitig schärft das Team den Blick für Risiken im Alltag. Geübt wird deshalb nicht nur im Therapieraum. Auch Gehtraining auf Wiesen, Schotterwegen oder Waldboden gehört dazu, damit Patient:innen im Alltag wieder sicher unterwegs sind.
Stürze verhindern, bevor sie passieren
Auch das Geriatrische Tageszentrum (GTZ) setzt einen klaren Schwerpunkt auf Prävention. Speziell geschulte Therapeut:innen führen Gruppentrainings für Kraft, Koordination und Gleichgewicht durch. Ärzt:innen überprüfen gemeinsam mit den Patient:innen Medikamente, die Schwindel, Kreislaufprobleme oder Gleichgewichtsstörungen begünstigen können. Ergänzend informieren sie über Osteoporose sowie eine ausgewogene Ernährung, die Muskelkraft und Knochengesundheit unterstützt. „Unser Erfolg misst sich nicht daran, wie weit jemand am Ende eines Krankenhausaufenthalts gehen kann. Entscheidend ist, ob unsere Patient:innen ihren Alltag wieder möglichst selbstständig bewältigen und sicher in ihr gewohntes Zuhause zurückkehren können. Darauf richtet sich unsere gesamte Behandlung aus“, betont Departmentleiterin OÄ Dr. Patricia Walentiny.
Steckbrief
OÄ Dr. Patricia Walentiny

Funktion: Leiterin des Departments für Akutgeriatrie und Remobilisation (AGRM), Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt
Fachgebiet: Fachärztin für Innere Medizin mit Additivfach Geriatrie
Schwerpunkte:
- Akutgeriatrie und Remobilisation
- Sturzprävention
- Reablement (alltagsorientierte Rehabilitation)
- Geriatrisches Assessment
- Erhalt von Mobilität und Selbstständigkeit im Alter
- Behandlung multimorbider älterer Patient:innen
- Ambulante und stationäre geriatrische Versorgung
Behandlungsansatz: Das Department für Akutgeriatrie und Remobilisation des Elisabethinen-Krankenhauses Klagenfurt begleitet ältere Menschen nach Stürzen und akuten Erkrankungen mit einem ganzheitlichen Behandlungskonzept. Medizin, Therapie und Beratung greifen dabei eng ineinander – mit dem Ziel, Mobilität zu erhalten, Selbstständigkeit zu fördern und Pflegebedürftigkeit möglichst zu vermeiden.
Hintergrund-Info
Seit 2006 ist das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt Teil der Gesundheitsgruppe des Ordens der Barmherzigen Brüder Österreich und hat die Entwicklung mitgestaltet.
Mit 1. August 2025 wurde die Österreichische Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder in „Barmherzige Brüder Ordensprovinz Europa Mitte“ umbenannt. Dies war gleichzeitig der Beginn des Vereinigungsprozesses mit der Bayerischen Ordensprovinz, welcher im Jänner 2026 mit dem gemeinsamen Provinzkapitel abgeschlossen wurde.
ERFÜLLUNG DER UN-SUSTAINABLE-DEVELOPMENT-GOALS (SDG)
Mit den Bemühungen rund um das Thema Altersmedizin trägt das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt auch zu 3 der insgesamt 17 „Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen bis 2030“ (SDGs) bei. Diese definieren das Erreichen von globalen und nachhaltigen Zielen.

Ziel 3 Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.

Ziel 4: Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.

Ziel 17 Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen.
