Sicher Radfahren bei Hitze
Herr Prim. Priv.-Doz. Dr. Köhler, worauf sollte man besonders achten, wenn man bei großer Hitze mit dem Fahrrad unterwegs ist?
Prim. Priv.-Doz. Dr. Gerd Köhler: Am wichtigsten ist, die Belastung an die Temperatur anzupassen und nicht das gewohnte Tempo oder Pensum einfach beizubehalten. Der Körper benötigt bei Hitze einen erheblichen Teil seiner Leistung für die Thermoregulation, also für Schwitzen und Hautdurchblutung. Sinnvoll sind deshalb ein reduziertes Tempo, regelmäßige Pausen, möglichst schattige Strecken, helle und atmungsaktive Kleidung, ein gut belüfteter Helm und konsequenter Sonnenschutz. Wichtig ist außerdem, frühzeitig und regelmäßig zu trinken und nicht erst dann, wenn bereits starker Durst auftritt.

Radfahren auch bei Hitze – aber mit Bedacht: Prim. Priv.-Doz. Dr. Gerd Köhler vom Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt informiert gemeinsam mit der Radlobby Kärnten über sicheres Radfahren bei hohen Temperaturen.
Was sollte man an heißen Tagen unbedingt mitnehmen?
Ausreichend Flüssigkeit steht an erster Stelle. Bei längeren Touren oder starkem Schwitzen können zusätzlich Elektrolyte sinnvoll sein, da über den Schweiß nicht nur Wasser, sondern auch Mineralstoffe verloren gehen.
Dazu gehören Sonnenschutz zum Nachcremen, eine Sonnenbrille und ein Mobiltelefon. Bei längeren Touren sollte man außerdem vorab überlegen, wo es Möglichkeiten zum Nachfüllen von Wasser, für Pausen oder zum Abbruch der Tour gibt.
Welche Personengruppen sollten bei hohen Temperaturen besonders vorsichtig sein?
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, weil das Durstempfinden und die Fähigkeit zur Wärmeregulation mit zunehmendem Alter nachlassen können. Vorsicht gilt auch für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen oder Diabetes, für Schwangere sowie für Kinder. Auch bestimmte Medikamente können die Wärmeregulation oder den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen. Gleichzeitig darf man nicht unterschätzen, dass auch junge und gut trainierte Menschen gefährdet sein können. Ein belastungsinduzierter Hitzschlag betrifft nicht selten Sportler:innen, die sich bei großer Hitze zu stark belasten.
Welche Tageszeit ist besonders geeignet und wie sollte man die Belastung anpassen?
Längere oder anstrengende Fahrten sollten möglichst in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Ein verbreiteter Irrtum ist, dass es um die Mittagszeit immer am heißesten ist. Häufig werden die höchsten Temperaturen erst am späteren Nachmittag erreicht.
Bei der Belastung gilt: Tempo und Intensität reduzieren und längere beziehungsweise häufigere Pausen einplanen. Wer an große Hitze nicht gewöhnt ist, sollte dem Körper Zeit geben, sich schrittweise an höhere Temperaturen anzupassen.
Wie viel sollte man während der Fahrt trinken?
Der Flüssigkeitsbedarf ist individuell unterschiedlich und hängt von Außentemperatur, Dauer und Intensität der Belastung sowie von der persönlichen Schweißmenge ab.
Wichtig ist, regelmäßig kleinere Mengen zu trinken. Bei längerer körperlicher Belastung und starkem Schwitzen können auch Getränke mit Elektrolyten sinnvoll sein. Große Mengen auf einmal zu trinken, ist dagegen nicht notwendig.
Welche Warnzeichen sollten zum Abbruch der Belastung führen?
Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Muskelkrämpfe, Herzrasen, ungewöhnliche Schwäche oder ein deutlicher Leistungsabfall sind Warnzeichen, die ernst genommen werden sollten.
Treten solche Beschwerden auf, sollte die Fahrt unterbrochen werden. Man sollte einen schattigen oder kühlen Ort aufsuchen, Kleidung lockern, den Körper abkühlen und – sofern man bei klarem Bewusstsein ist – in kleinen Schlucken trinken.
Besonders ernst sind Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen oder Koordinationsprobleme.
Woran erkennt man eine Hitzeerschöpfung und woran einen Hitzschlag?
Bei einer Hitzeerschöpfung treten häufig starkes Schwitzen, Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Kreislaufprobleme auf. Das Bewusstsein und die Orientierung bleiben in der Regel erhalten.
Ein Hitzschlag ist dagegen ein akut lebensbedrohlicher Notfall. Kennzeichnend sind eine deutlich erhöhte Körpertemperatur und Störungen des zentralen Nervensystems. Dazu zählen Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit, auffälliges Verhalten, Sprachstörungen, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit.
Wichtig ist: Die Haut muss bei einem Hitzschlag nicht trocken sein. Gerade bei körperlicher Belastung können Betroffene weiterhin stark schwitzen. Entscheidend sind vor allem Veränderungen von Bewusstsein, Orientierung oder Verhalten in Verbindung mit einer deutlichen Überhitzung.
Was sollte man bei Verdacht auf einen Hitzschlag tun?
Bei Verdacht auf einen Hitzschlag sollte sofort medizinische Hilfe gerufen werden. Gleichzeitig muss die betroffene Person möglichst rasch aus der Sonne oder Hitze gebracht und gekühlt werden. Beengende Kleidung sollte geöffnet oder entfernt werden. Nasse, kühle Tücher, Wasser auf der Haut und Luftbewegung können die Kühlung unterstützen. Ist die Person bei vollem Bewusstsein, kann sie in kleinen Schlucken trinken.
Bei Bewusstseinstrübung oder Erbrechen darf nichts zu trinken gegeben werden. Bei Bewusstlosigkeit und vorhandener Atmung sollte die betroffene Person in stabile Seitenlage gebracht werden. Fiebersenkende Medikamente helfen bei einem Hitzschlag nicht. Entscheidend ist, nicht abzuwarten, ob sich der Zustand von selbst bessert.
Gibt es medizinisch einen Unterschied zwischen Alltagsradfahren und sportlichem Radfahren bei Hitze?
Ja. Beim entspannten Alltagsradfahren ist die Muskelarbeit und damit die zusätzliche körpereigene Wärmeproduktion meist geringer. Hier stehen vor allem hohe Außentemperaturen, direkte Sonneneinstrahlung, die Streckenwahl und ausreichendes Trinken im Vordergrund.
Beim sportlichen Radfahren produziert die Muskulatur deutlich mehr Wärme. Dadurch kann die Körpertemperatur schneller ansteigen. Gerade sportlich ambitionierte Radfahrer:innen sollten deshalb bei Hitze Tempo und Trainingsumfang bewusst reduzieren und Warnzeichen nicht ignorieren. Grundsätzlich gilt: Bei Hitze sollte die Belastung immer an die Reaktion des eigenen Körpers angepasst werden.
Über die Auszeichnung „Cycle-Friendly Employer“ (CFE) Grüne Mobilität nach EU-Standard
Um europäischen Betrieben einen besonderen Ansporn zu geben, verstärkt auf Fahrradfreundlichkeit im Betrieb zu setzen, wurde im Zuge des europäischen Projektes „Bike2Work“ ein EU-weiter Standard für die Zertifizierung zum Fahrradfreundlichen Betrieb (sogenannte CFE Zertifizierung) ausgearbeitet. Mit dieser CFE-Zertifizierung zum „Fahrradfreundlichen Betrieb“ sollen Klein- und Mittelbetriebe dazu motiviert werden, den Radverkehr im Betrieb zu fördern, eine innerbetriebliche Radfahrkultur aufzubauen und dauerhaft fahrradfreundliche Maßnahmen im Betrieb umzusetzen.
Das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt hat die „Cycle Friendly-Employer“ (CFE)-Zertifizierung absolviert und wurde als fahrradfreundlicher Arbeitgeber mit SILBER ausgezeichnet!
Prim. Priv. Doz. Dr. med. univ. Gerd Köhler

Vorstand der Abteilung für Innere Medizin am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt
Schwerpunkte:
Diabetologie, Endokrinologie, Diabetes-Technologie, Adipositasmedizin, Prozessoptimierung im Krankenhausbereich (LEAN-Management)
Hintergrund-Info
Seit 2006 ist das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt Teil der Gesundheitsgruppe des Ordens der Barmherzigen Brüder Österreich und hat die Entwicklung mitgestaltet.
Mit 1. August 2025 wurde die Österreichische Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder in „Barmherzige Brüder Ordensprovinz Europa Mitte“ umbenannt. Dies war gleichzeitig der Beginn des Vereinigungsprozesses mit der Bayerischen Ordensprovinz, der im Jänner 2026 mit dem gemeinsamen Provinzkapitel abgeschlossen wurde.
Erfüllung der UN Sustainable Development Goals (SDG)
Mit den Bemühungen rund um das Thema „Sicheres Radfahren bei Hitze und CFE-Zertifizierung“ trägt das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt auch zu 7 der insgesamt 17 „Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen bis 2030“ (SDGs) bei. Diese definieren das Erreichen von globalen und nachhaltigen Zielen.

Ziel 3 Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

Ziel 4
Hochwertige Bildung

Ziel 7 Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle sichern

Ziel 9: Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen.

Ziel 11 Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten

Ziel 13 Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen.

Ziel 17
Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen
