Wenn medizinische Information wirklich ankommen muss
Eine Diagnose wirft Fragen auf. Welche Behandlung ist notwendig? Welche Untersuchung folgt? Was bedeutet ein Befund konkret? Für gehörlose Patient:innen:innen beginnt die Herausforderung oft schon bei der Kommunikation. Genau hier setzt die Gehörlosenambulanz des Elisabethinen-Krankenhauses Klagenfurt an.
Seit Juni 2020 erhalten gehörlose Menschen dort medizinische Betreuung in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS). Die Ambulanz wurde gemeinsam mit dem Gehörlosenverband Kärnten aufgebaut und ist bis heute die einzige Einrichtung dieser Art in Kärnten.

Das Team der Gehörlosenambulanz am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt gebärdet zum 23. September „Herzlich willkommen“: v.l.n.r.: Sozialarbeiterin Tamara Lackner, OÄ Dr. Katharina Tropper, DGKP Teresa Kofler, OÄ Dr. Claudia Tonauer, und Dolmetscherin Mag. Dr. Natascha Prossegger
Direkte Kommunikation statt Umwege
Im medizinischen Gespräch geht es oft um Entscheidungen, die weitreichende Folgen haben. Patient:innen müssen verstehen, was untersucht wurde, welche Diagnose gestellt wird und welche Behandlung empfohlen wird.
„Speziell im medizinischen Bereich ist es wichtig, dass Patient:innen vollinhaltlich verstehen, worum es geht“, sagt OÄ Dr. Claudia Tonauer. Gemeinsam mit OÄ Dr. Katharina Tropper betreut sie die Patient:innen der Gehörlosenambulanz. Die Abteilung für Innere Medizin steht unter der Leitung von Prim. Priv.-Doz. Dr. Gerd Köhler.
Während des Ambulanzbetriebs unterstützt eine Gebärdensprachdolmetscherin die Kommunikation. Auch die pflegerische Betreuung ist auf die Bedürfnisse gehörloser Patient:innen abgestimmt. „Medizinische Qualität beginnt auch bei der Verständigung. In der
Gehörlosenambulanz schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass gehörlose und hörbeeinträchtigte Patient:innen ihre Anliegen direkt einbringen und medizinische Entscheidungen gut nachvollziehen können“, sagt Prim. Priv.-Doz. Dr. Gerd Köhler (am Bild rechts).
DGKP Teresa Kofler verstärkt das Team
Mit DGKP Teresa Kofler wurde das Team erweitert. Sie ist mit Gebärdensprache aufgewachsen und bringt damit neben ihrer pflegerischen Ausbildung auch einen unmittelbaren Zugang zur Österreichischen Gebärdensprache mit.
Für Patient:innen bedeutet das, Anliegen bereits im pflegerischen Bereich direkt kommunizieren zu können – etwa bei der Vorbereitung auf Untersuchungen, bei Blutabnahmen oder bei organisatorischen Fragen.
Die Nachfrage nach der Ambulanz ist nach Angaben des Teams konstant hoch. Viele Patient:innen kommen regelmäßig, gleichzeitig nehmen immer wieder neue gehörlose Menschen das Angebot in Anspruch.
Sozialberatung direkt vor Ort
Zusätzlich steht Sozialberaterin Tamara Lackner donnerstags in der Ambulanz zur Verfügung. Ihre Beratung betrifft Fragen, die häufig unmittelbar mit Krankheit, Pflege oder dem Alltag der Patient:innen verbunden sind. Sie unterstützt unter anderem bei Anträgen auf Pflegegeld und finanzielle Leistungen, bei Behördenwegen, beim Behindertenstatus sowie bei der Organisation weiterführender Termine. Auch Fragen zu barrierefreiem Wohnen oder notwendige telefonische Kontaktaufnahmen können gemeinsam geklärt werden.
Damit können medizinische und soziale Anliegen an einem Ort besprochen werden
Vorsorge wird verständlicher
Das Angebot umfasst allgemeinmedizinische und internistische Fragestellungen. Dazu zählen etwa Bluthochdruck, Diabetes und andere chronische Erkrankungen. Auch Blutabnahmen, EKGs und vorbereitende Untersuchungen werden durchgeführt.
Ein wichtiger Bereich ist die Vorsorge. Frühere Erfahrungen aus der Ambulanz zeigen, dass Patient:innen Untersuchungen eher wahrnehmen, wenn medizinische Informationen verständlich vermittelt werden und Fragen direkt gestellt werden können. Bei Bedarf organisiert das Team weiterführende Untersuchungen oder unterstützt während eines stationären Aufenthalts bei der Kommunikation.
Zusätzlich stellt das Elisabethinen-Krankenhaus Informationsvideos in Österreichischer Gebärdensprache bereit. Darin werden unter anderem Diabetes, Bluthochdruck, Darmspiegelungen sowie die richtige Abgabe von Harn- und Stuhlproben erklärt.
Seit sechs Jahren ein fixer Bestandteil der Versorgung
Als die Gehörlosenambulanz 2020 eröffnet wurde, gab es in Kärnten keine vergleichbare medizinische Anlaufstelle. Heute ist sie für viele gehörlose Patient:innen ein fixer Bestandteil ihrer gesundheitlichen Versorgung.
Der Internationale Tag der Gebärdensprachen am 23. September lenkt den Blick auf eine Voraussetzung, die im medizinischen Alltag leicht unterschätzt wird: Patient:innen können nur dann selbst über ihre Gesundheit entscheiden, wenn sie Informationen verstehen und ihre eigenen Fragen stellen können.
Mit DGKP Theresa Kofler und der regelmäßigen Sozialberatung durch Tamara Lackner wurde das Angebot der Gehörlosenambulanz weiter ausgebaut.
Öffnungszeiten:
Jeden Donnerstag von 7:30 bis 12:30 Uhr.
Von 7:30 bis 9:30 Uhr finden Blutabnahmen, EKGs und vorbereitende Maßnahmen statt. Der ärztliche Ambulanzbetrieb mit Ärztin, DGKP und Gebärdensprachdolmetscherin läuft von 9:30 bis 12:30 Uhr.
Terminvereinbarung:
gesundheitsberatung@ekh.at
SMS: +43 (0) 664/888 90 890
Fax: +43 (0) 463/5830-2020
Hintergrund-Info
Seit 2006 ist das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt Teil der Gesundheitsgruppe des Ordens der Barmherzigen Brüder Österreich und hat die Entwicklung mitgestaltet.
Mit 1. August 2025 wurde die Österreichische Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder in „Barmherzige Brüder Ordensprovinz Europa Mitte“ umbenannt. Dies war gleichzeitig der Beginn des Vereinigungsprozesses mit der Bayerischen Ordensprovinz, welcher im Jänner 2026 mit dem gemeinsamen Provinzkapitel abgeschlossen wurde.
Erfüllung der UN Sustainable Development Goals (SDG)
Mit den Bemühungen rund um den Tag der Gehörlosen trägt das Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt auch zu 2 der insgesamt 17 „Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen bis 2030“ (SDGs) bei. Diese definieren das Erreichen von globalen und nachhaltigen Zielen.

Ziel 3
Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

Ziel 10
Weniger Ungleichheiten hat das Ziel, wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten zu verringern, sodass alle Menschen sich verwirklichen können.
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Ziel 17
Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen
