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Das Bild ist ein Link zum Artikel über den Inklusionskongress in Marseille.

Soziale Inklusion

Der 2. Europäische Kongress für Soziale Inklusion bringt am 30.9. und 1.10. 2026 rund 250 Teilnehmende in Marseille zusammen. Veran­stalter ist Hospita­lity Europe, das euro­päische Netzwerk der Barm­herzigen Brüder und der Hospital­schwestern vom Heiligs­ten Herzen Jesu. Unter dem Motto „Lived Inclusion“ stehen Selbst­be­stim­mung und gesell­schaft­liche Teil­habe im Mittel­punkt.

Inklusion bedeutet mehr als dabei zu sein. Sie bedeutet mitzureden, mitzuentscheiden und das eigene Leben nach den eigenen Vorstellungen gestalten zu können. Wie das in Einrichtungen und Diensten des Gesundheits- und Sozialwesens gelingen kann, steht im Mittelpunkt des 2. Europäischen Kongresses für Soziale Inklusion, den Hospitality Europe am 30. September und 1. Oktober 2026 in Marseille unter dem Motto „Lived Inclusion“, zu Deutsch „gelebte Inklusion“, veranstaltet.

 

Rund 250 Teilnehmende werden erwartet. Sie kommen aus dem europäischen Netzwerk der Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott und der Hospitalschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu, deren Einrichtungen in zahlreichen Ländern Europas Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen begleiten. Mitarbeitende, Fachleute, Führungskräfte, Ordensangehörige, Ehrenamtliche und Menschen, die selbst Unterstützungsangebote nutzen, sollen dabei ausdrücklich miteinander ins Gespräch kommen.

 

 

Von Wien nach Marseille

Marseille ist bereits die zweite Station des europäischen Kongresses. 2023 fand die Premiere in Wien statt. Mehr als 200 Menschen kamen damals zusammen, um über soziale Inklusion, Selbstbestimmung, Innovation, Stigmatisierung und neue Formen der gesellschaftlichen Teilhabe zu diskutieren. Projekte aus verschiedenen europäischen Ländern zeigten, wie Einrichtungen Menschen darin unterstützen können, ihre Interessen selbst zu vertreten und ihr Leben aktiv mitzugestalten.

 

Drei Jahre später wird dieser Weg in Marseille fortgesetzt. Der Kongress soll nicht nur erfolgreiche Projekte präsentieren. Er soll Menschen und Einrichtungen miteinander vernetzen, Erfahrungen über Ländergrenzen hinweg zugänglich machen und daraus neue Formen europäischer Zusammenarbeit entstehen lassen.

 

 

Was bedeutet Selbstbestimmung konkret?

Das Programm stellt die Selbstbestimmung aus drei Perspektiven in den Mittelpunkt.

  1. Zum einen geht es darum, Unterstützungsleistungen stärker an den individuellen Wünschen und Bedürfnissen eines Menschen auszurichten. Nicht die vorhandene Einrichtung oder ein vorgegebenes Angebot soll bestimmen, wie jemand lebt – vielmehr soll die Unterstützung möglichst gut zu den persönlichen Zielen des Menschen passen.
  2. Ein zweiter Schwerpunkt beschäftigt sich mit Beziehungen und gesellschaftlicher Teilhabe. Selbstbestimmung zeigt sich auch darin, mit wem Menschen ihre Zeit verbringen, welche Beziehungen sie pflegen, wie sie ihre Freizeit gestalten, welchen Aufgaben sie nachgehen und wie sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
  3. Der dritte Themenbereich richtet den Blick auf Wohn- und Lebensräume sowie das soziale Umfeld. Die Frage lautet hier: Wie müssen Einrichtungen, Gemeinden und öffentliche Räume gestaltet sein, damit sie Begegnung, Zugehörigkeit und selbstständiges Handeln ermöglichen?

 

Ideen und Erfahrungen aus ganz Europa

Wie unterschiedlich die Antworten darauf aussehen können, zeigen Beiträge unter anderem aus Österreich, Deutschland, Spanien, Italien, Portugal, Polen, Frankreich, Irland, dem Vereinigten Königreich und der Ukraine.

 

Zum Auftakt des Kongresses setzt die französische Philosophin Gabrielle Halpern einen besonderen Akzent. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie Lebens- und Begegnungsräume neu gedacht werden können und wie sich Grenzen zwischen unterschiedlichen Lebenswelten überwinden lassen.

Daneben stehen zahlreiche Praxisbeispiele im Mittelpunkt. Poster und Videos ergänzen die Präsentationen und machen Projekte auch über den Kongress hinaus zugänglich. Für die internationale Verständigung wird simultan in sieben Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch und Portugiesisch – übersetzt.

 

Auch digital soll der Kongress möglichst viele Menschen erreichen. Inhalte können online verfolgt beziehungsweise über die Kongressplattform abgerufen werden. Damit trägt die Veranstaltung selbst einem ihrer zentralen Anliegen Rechnung: Teilhabe soll nicht an räumlichen oder sprachlichen Barrieren scheitern.

 

 

Koordination aus der Ordensprovinz Europa Mitte

Eine besondere Verbindung besteht zur Ordensprovinz Europa Mitte der Barmherzigen Brüder. Die europäische Arbeitsgruppe für Soziale Inklusion von Hospitality Europe wird von Doris Zwick von den Barmherzigen Brüdern in Bayern koordiniert. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich kontinuierlich mit der Frage, wie Selbstbestimmung, Selbstvertretung und Teilhabe gestärkt werden können. Dazu organisiert sie nicht nur den Kongress, sondern auch regelmäßige Webinare, fördert den internationalen Austausch von Projekten und unterstützt die Vernetzung von Fachleuten und Einrichtungen in Europa.

 

Die Arbeitsgruppe versteht soziale Inklusion dabei in zwei miteinander verbundenen Dimensionen: als Stärkung der persönlichen Selbstständigkeit und als Stärkung von Beziehungen, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Beteiligung. Menschen sollen sowohl die Möglichkeit haben, selbst zu handeln und Entscheidungen zu treffen, als auch gleichberechtigt Teil einer Gemeinschaft zu sein.

 

Diese europäische Zusammenarbeit passt auch zur Entwicklung der Barmherzigen Brüder in Mitteleuropa. Die Ordensprovinz Europa Mitte verbindet seit 2025 die früheren Ordensprovinzen Bayern und Österreich und umfasst heute die Barmherzigen Brüder in Deutschland, Österreich, Tschechien, Ungarn und der Slowakei.

 

 

Einrichtungen in Marseille öffnen ihre Türen

Gastgeberin des Kongresses ist die Fondation Saint Jean de Dieu. Die französische Stiftung wurde auf Initiative der Barmherzigen Brüder gegründet und begleitet heute jährlich mehr als 20.000 Menschen in mehr als 40 Einrichtungen und Diensten. Dazu gehören Menschen mit Behinderungen ebenso wie ältere Menschen, Menschen in großer sozialer Not und Menschen mit psychischen Erkrankungen.

 

In Marseille selbst gehören vier Zentren zum Gebiet Provence der Stiftung. Rund 350 Mitarbeitende und 47 Ehrenamtliche sind dort tätig. Im Zusammenhang mit dem Kongress können die Teilnehmenden auch einige dieser Einrichtungen kennenlernen, darunter das Centre Forbin, das Centre Saint-Barthélemy und das Centre Saint-Raphaël. Der Kongress selbst findet im World Trade Center Marseille Provence im Zentrum der südfranzösischen Hafenstadt statt.

 

 

Ein europäisches Netzwerk der Hospitalität

Hinter dem Kongress steht Hospitality Europe. Die Organisation verbindet die Gesundheits- und Sozialeinrichtungen der Barmherzigen Brüder mit jenen der Hospitalschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu und vertritt ihre gemeinsamen Anliegen auf europäischer Ebene. Das Brüsseler Verbindungsbüro nahm 2012 seine Arbeit auf. Hospitality Europe unterstützt seither den Austausch zwischen Einrichtungen, informiert über europäische Programme, fördert gemeinsame Projekte und bringt Erfahrungen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich in den Dialog mit den Institutionen der Europäischen Union ein. Heute gehören zum Netzwerk mehr als 280 Einrichtungen, rund 77.000 Mitarbeitende und 7.000 Ehrenamtliche. Jährlich werden durch die Einrichtungen mehr als 25 Millionen Leistungen für Menschen erbracht.

 

Gerade 2026 will Hospitality Europe seine Rolle als europäische Plattform weiter stärken. Wissen und gute Praxis sollen schneller zwischen den Ländern ausgetauscht, innovative Projekte gemeinsam entwickelt und soziale und gesundheitspolitische Themen stärker in die europäische Diskussion eingebracht werden. Dabei gehören soziale Inklusion, psychische Gesundheit, Alter und Demenz sowie die Verbindung von Gesundheits- und Sozialleistungen zu wichtigen Arbeitsfeldern.

 

 

Eine Gesellschaft, in der jeder Mensch mitgestalten kann

Der Kongress in Marseille macht deutlich: Soziale Inklusion ist keine einzelne Maßnahme und kein abgeschlossenes Projekt. Sie beginnt dort, wo Menschen ernst genommen werden, wo ihre Stimme gehört wird und wo Unterstützung nicht über ihre Köpfe hinweg, sondern gemeinsam mit ihnen gestaltet wird.

 

Das entspricht auch dem Verständnis von Hospitalität, das die Barmherzigen Brüder seit Johannes von Gott prägt: Menschen nicht auf Krankheit, Behinderung oder soziale Not zu reduzieren, sondern ihnen mit Würde, Respekt und professioneller Unterstützung zu begegnen.

Marseille soll dafür zwei Tage lang zu einem europäischen Treffpunkt werden – für neue Ideen, gegenseitiges Lernen und für die gemeinsame Frage, wie eine Gesellschaft aussehen kann, in der möglichst jeder Mensch selbstbestimmt leben und tatsächlich dazugehören kann.

 

 

Links

online-Zugang zum Kongress via Zoomwww.congress-inclusion.euwww.hospitality-europe.eu

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