Entwicklungsmedizinisches Zentrum verbessert die Versorgung von Kindern mit Entwicklungsstörungen
Ausbau des Entwicklungsmedizinischen Zentrums in Linz
Um die Versorgung von Kindern mit Entwicklungsstörungen weiter zu verbessern, geht Oberösterreich einen bedeutenden und innovativen Schritt: Das Entwicklungsmedizinische Zentrum (EMZ) am Institut für Sinnes- und Sprachneurologie in Linz wird deutlich erweitert, um eine flächendeckende und frühzeitige Versorgung von Kleinkindern im Autismusspektrum und Kleinkindern mit schweren Sprachentwicklungsstörungen sowie allgemeinen Entwicklungsstörungen sicherzustellen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kinderfachärzt:innen und ermöglicht den landesweiten Einsatz eines Sprachentwicklungsscreenings im Rahmen der Eltern-Kind-Pass-Untersuchung im Alter von 2 und 3 Jahren. Im Anschluss erfolgt eine schnelle, multiprofessionelle Versorgung der durch das Screening identifizierten Risikogruppe im Entwicklungsmedizinischen Zentrum, mit einer Zielwartezeit von unter drei Monaten.
Spezialisierte Frühintervention und enge Einbindung der Familien
Bei einer entsprechenden Diagnose wird eine spezialisierte Frühintervention eingeleitet, die von kontinuierlicher Unterstützung für die betroffenen Familien begleitet wird. Eine enge Abstimmung mit den behandelnden Kinderärzt:innen stellt sicher, dass eine ganzheitliche und nahtlose Förderung gewährleistet ist. Besonders wichtig ist die aktive Einbeziehung und Stärkung der Eltern, die eine zentrale Rolle in der Förderung und Unterstützung ihrer Kinder spielen.
Wegweisendes Modell für eine moderne Frühversorgung
Mit diesem Ausbau schafft Oberösterreich die Grundlage für eine moderne, flächendeckende und innovative Frühversorgung von Kleinkindern im Autismusspektrum sowie von Kleinkindern mit schweren Sprachentwicklungsstörungen und allgemeinen Entwicklungsstörungen. „Dies ist eine große Chance für betroffene Kinder und deren Familien, frühzeitig die Unterstützung zu erhalten, die sie brauchen, um ihr Entwicklungspotential bestmöglich entfalten zu können“, sagt Prim. Dr. Johannes Hofer, Abteilungsvorstand am Institut für Sinnes- und Sprachneurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz.
International beachteter Meilenstein
Dieser Meilenstein in der frühen Förderung von Kindern mit Entwicklungsstörungen ist nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch international wegweisend. Oberösterreich setzt
damit einen entscheidenden Impuls für die nachhaltige Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Kindern in der Region.
Kinderärzt:innen begrüßen Ausbau des Entwicklungsmedizinischen Zentrums
„Der Ausbau des Entwicklungsmedizinischen Zentrums ist auch aus Sicht der niedergelassenen Kinderärzt:innen ein wesentlicher Meilenstein in der frühkindlichen Versorgung“, betont Dr. Clemens Gumpenberger, Vertreter der niedergelassenen Kinderärztinnen und Kinderärzte der Ärztekammer für Oberösterreich.
Früh erkannt, gezielt unterstützt
Durch die Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen seien Kinderärzt:innen in den ersten Lebensjahren häufig erste Ansprechpartner:innen bei Entwicklungsauffälligkeiten. Das Institut für Sinnes- und Sprachneurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz bietet seit Jahren ein Screeningprogramm für zwei- und dreijährige Kinder an. „Die Fortschritte durch Elternschulungen und Therapien nach gezielter Diagnostik sehen wir in unseren Praxen bei nahezu jedem Besuch: Kinder beginnen zu kommunizieren und Eltern setzen das Gelernte gezielt in der Entwicklung ihrer Kinder um“, sagt Dr. Gumpenberger.
Bisher waren zeitnahe weiterführende Abklärungen nicht für alle Kinder möglich, insbesondere bei vier- und fünfjährigen Kindern. Der Ausbau des EMZ schafft zusätzliche Kapazitäten in Oberösterreich. Zudem seien derzeit alle Kassenstellen für Kinder- und Jugendheilkunde besetzt, was die Rahmenbedingungen für die frühkindliche Versorgung weiter verbessere, so Dr. Gumpenberger.

Prim. Dr. Johannes Hofer und Dr. Clemens Gumpenberger