Wenn die Kaiserschnittnarbe Beschwerden macht
„Viele Frauen kennen den Begriff nicht, obwohl die Veränderung gar nicht so selten ist“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Lukas Hefler, Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Spitalspartner Krankenhaus Barmherzige Brüder Linz und Ordensklinikum Linz. Studien zeigen, dass bei bis zu 60 Prozent der Frauen nach einem Kaiserschnitt eine solche Nische im Ultraschall sichtbar sein kann. Beschwerden entwickeln jedoch nur ein Teil der Betroffenen, betont Prof. Hefler weiter.
Die uterine Nische entsteht an der Stelle der Kaiserschnittnarbe in der Gebärmutter. Heilt die Naht nicht vollständig glatt, kann eine kleine Einziehung zurückbleiben – vergleichbar mit einer Mulde oder Tasche in der Gebärmutterwand. Häufig bleibt diese unbemerkt. In manchen Fällen kann sie jedoch Beschwerden verursachen. Typisch sind vor allem anhaltende Schmierblutungen nach der eigentlichen Periode. „Das Blut kann sich in dieser kleinen Vertiefung sammeln und verzögert abfließen. Auch Zwischenblutungen, verlängerte Menstruationen oder Unterbauchschmerzen können auftreten. Bei manchen Patientinnen wird die Nische zudem im Zusammenhang mit einem unerfüllten Kinderwunsch entdeckt“, ergänzt PD OA Dr. Richard Mayer, stellvertretender Abteilungsleiter und leitender Oberarzt der Geburtshilfe am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz.
In der Regel wird die Diagnose mittels vaginalen Ultraschalls gestellt. Ergänzend kann eine sogenannte Sonohysterographie – eine Ultraschalluntersuchung mit Flüssigkeit in der Gebärmutter – eingesetzt werden, um die Veränderung noch genauer darzustellen.
Nicht jede uterine Nische muss behandelt werden. Entscheidend sind die Beschwerden, die Größe der Veränderung sowie ein möglicher Kinderwunsch. „Viele Befunde sind Zufallsdiagnosen und benötigen keine Therapie. Wichtig ist, individuell zu entscheiden, ob und welche Behandlung sinnvoll ist“, betont OA Dr. Richard Mayer.
Das Spektrum reicht von beobachtendem Abwarten über hormonelle Therapien bis hin zu minimalinvasiven Eingriffen. Kleinere Nischen können im Rahmen einer Gebärmutterspiegelung behandelt werden. Bei ausgeprägteren Befunden kommt auch eine operative Korrektur mittels Bauchspiegelung infrage. Im Hinblick auf eine weitere Schwangerschaft ist die uterine Nische meist unproblematisch. In Einzelfällen kann jedoch ein leicht erhöhtes Risiko für Komplikationen bestehen, weshalb eine engmaschigere Betreuung empfohlen wird. „Wir sehen in der täglichen Praxis, dass viele Frauen lange mit Beschwerden leben, ohne die Ursache zu kennen. Aufklärung ist hier ein wichtiger erster Schritt“, so OA Dr. Mayer weiter.


© Barmherzige Brüder, Abdruck honorarfrei, Prim. Univ.-Prof. Dr. Lukas Hefler, Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Spitalspartner Krankenhaus Barmherzige Brüder Linz und Ordensklinikum Linz und PD OA Dr. Richard Mayer, stellvertretender Abteilungsleiter und leitender Oberarzt der Geburtshilfe am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz