Mehr als 300 Expert:innen aus aller Welt in Bad Ischl: Internationaler FCEI-Kongress setzte Impulse für die Zukunft der familienzentrierten Frühintervention
Mehr als 300 Fachleute, Wissenschaftler:innen, Therapeut:innen, Pädagog:innen, Elternvertreter:innen und Menschen mit eigener Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit aus zahlreichen Ländern kamen ins Salzkammergut, um aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der familienzentrierten Frühintervention zu diskutieren. Organisiert wurde der internationale Fachkongress vom Institut für Sinnes- und Sprachneurologie (ISSN) der Barmherzigen Brüder Linz und einem internationalen Komitee unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Daniel Holzinger. Im Mittelpunkt standen neue wissenschaftliche Erkenntnisse, innovative Förderansätze, technologische Entwicklungen und die Frage, wie Kinder und ihre Familien in einer sich rasch verändernden Welt bestmöglich unterstützt werden können. „Wir stellen uns aktuellen Themen und diskutieren die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Wohl der Kinder und ihrer Familien in der Frühintervention," so Kongresspräsident Priv.-Doz. Dr. Daniel Holzinger. In seiner Eröffnungsrede betonte der Gesamtleiter der Barmherzigen Brüder Linz, Mag. Hubert Eisl: „Innovation beginnt dort, wo Ideen, Zusammenarbeit und Tradition zusammenkommen, um die Zukunft zu gestalten."
Innovationen zwischen Technologie und Alltag
Bereits die Eröffnungs-Keynote von Matt Kaplowitz, CEO von Bridge Multimedia in New York, widmete sich einem Zukunftsthema mit großem Potenzial. Unter dem Titel „Welcoming the Future: AI as a Partner in Family-Centered Early Intervention" zeigte er auf, wie künstliche Intelligenz künftig Familien, Fachkräfte und Kinder unterstützen kann.
Auch Valerie Sung stellte neue Entwicklungen für gehörlose und schwerhörige Kinder in den Mittelpunkt. Ihre Keynote „Innovating with Care: Embracing Advances for Deaf and Hard of Hearing Children“ zeigte, wie technologische und fachliche Innovationen verantwortungsvoll eingesetzt werden können, um die Entwicklung von Kindern bestmöglich zu unterstützen. Hierbei sind aufkommende Möglichkeiten der Genreparatur einerseits mit Hoffnung und andererseits ethischen Bedenken verbunden, sodass es sorgfältiger Information der Eltern bedarf. Einen besonders praxisnahen Blick auf digitale Teilhabe bot Tina Childress, Audiologin und internationale Expertin für familienzentrierte Frühintervention. In ihrer Keynote „Power in your Pocket or Purse“ präsentierte sie Möglichkeiten, wie moderne Smartphones und mobile Anwendungen Barrieren im Alltag reduzieren und die Kommunikation erleichtern können.
Familien als zentrale Partner
Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses war die aktive Rolle von Familien in der Frühintervention. Snigdha Sarkar aus Indien, Richterin, Sonderpädagogin und Mutter einer mittlerweile erwachsenen, gehörlosen Tochter, berichtete eindrucksvoll, wie Eltern durch Zusammenarbeit, Vernetzung und Engagement Veränderungen in Versorgungssystemen, konkret bei der Umsetzung der Neugeborenen-Hörscreenings in Indien, anstoßen können. Die Bedeutung einer engen Partnerschaft zwischen Familien und Fachkräften stand auch im Mittelpunkt der Keynote von Uma Soman, Gründerin und Direktorin des SKI-HI (Sensory Kids – Hearing Impaired) Institute India. Unter dem Titel „Individualized Intervention through Parent-Professional Partnership: Empowering Families, Transforming Lives“ zeigte sie auf, wie gemeinsame Entscheidungen und individuelle Begleitung Familien nachhaltig stärken können.
Tayla Newman, gehörlose Projektmanagerin an der Gallaudet University Washington, widmete sich in ihrer Keynote innovativen Lern- und Spielmaterialien für die familienzentrierte Frühintervention. Ihr Vortrag verdeutlichte, wie wichtig kreative und alltagsnahe Zugänge sind, um Sprachentwicklung, Kommunikation und Teilhabe von Beginn an zu fördern.
Internationale Perspektiven und Deaf Leadership
Der Kongress machte deutlich, dass die Zukunft der Frühintervention nur gemeinsam mit gehörlosen und schwerhörigen Menschen gestaltet werden kann. Das internationale DLIA-Keynote-Panel beschäftigte sich mit der Rolle gehörloser Erwachsener in Frühinterventionssystemen und zeigte auf, welchen Beitrag Deaf Leadership für Familien, Fachkräfte und Kinder leisten kann. Auch Margaret Odhiambo, kenianische Frühpädagogin und Expertin für familienzentrierte Frühintervention, brachte eine wichtige internationale Perspektive ein. In ihrer Keynote stellte sie innovative Ansätze der familienzentrierten Frühintervention in Kenia vor und zeigte, wie kulturelle Gegebenheiten, Gemeinschaften und lokale Ressourcen erfolgreich in Förderkonzepte eingebunden werden können.
Ethische Fragen und ganzheitliche Versorgung
Neben technologischen Innovationen und gesellschaftlichen Entwicklungen standen auch ethische Fragestellungen im Fokus. Teresa Blankmeyer Burke, gehörlose Philosophin und Professorin an der Gallaudet University, widmete sich in ihrer Keynote den ethischen Aspekten der OTOF-Gentherapie. Im Mittelpunkt standen Fragen nach Fürsorge, Kommunikation und verantwortungsvollen Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen medizinischem Fortschritt und den Perspektiven der Betroffenen.
Einen weiteren Höhepunkt bildete die Dr. Jan Van Dijk Memorial Keynote von Prim. Priv.-Doz. Dr. Johannes Hofer, Vorstand des Instituts für Sinnes- und Sprachneurologie der Barmherzigen Brüder Linz. Unter dem Titel „The Medical Home: Multidisciplinary Development and Care for Deaf-plus Children“ stellte er Konzepte für die koordinierte Betreuung gehörloser und schwerhöriger Kinder mit zusätzlichen Beeinträchtigungen vor. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie medizinische, therapeutische, pädagogische und soziale Angebote besser vernetzt werden können, um Familien langfristig zu begleiten und zu entlasten. „Nehmen Sie all diese inspirierenden Gedanken und Ideen aus dieser Konferenz mit und überlegen Sie, wie Sie sie in den nächsten konkreten Schritt verwandeln können – in Ihrer täglichen Arbeit und in Ihrem Alltag“, betonte Prim. Priv.-Doz. Dr. Johannes Hofer.
Wissenschaftlicher Austausch über Ländergrenzen hinweg
Ergänzt wurden die Keynotes durch zahlreiche Workshops, Fachvorträge, Posterpräsentationen und Diskussionsforen. Themen waren unter anderem Neugeborenen-Hörscreenings, Cochlea-Implantate, Gebärdenspracherwerb, künstliche Intelligenz, interdisziplinäre Versorgung, Elternarbeit, internationale Forschungsprojekte sowie neue Wege der Zusammenarbeit zwischen Familien, Fachkräften und Menschen mit eigener Hörbeeinträchtigung. Der Kongress bot damit nicht nur Raum für wissenschaftlichen Austausch, sondern auch für internationale Vernetzung und die Entwicklung neuer Kooperationen. Für Univ.-Prof. Dr. Johannes Fellinger zeigt die Veranstaltung eindrucksvoll, wie wichtig der internationale Dialog für die Weiterentwicklung der Frühintervention ist.
Der FCEI-Kongress 2026 setzte damit ein starkes Zeichen für eine Zukunft, in der wissenschaftliche Erkenntnisse, technologische Innovationen, die Erfahrungen von Familien sowie die Perspektiven gehörloser und schwerhöriger Menschen gleichermaßen berücksichtigt werden – mit dem gemeinsamen Ziel, Kindern bestmögliche Entwicklungs- und Teilhabechancen zu eröffnen.
*FCEI-DHH = Family-Centred Early Intervention for Children who are Deaf or Hard of Hearing
Mehr als 300 internationale Teilnehmer:innen diskutierten beim 7. FCEI-DHH-Kongress in Bad Ischl über die Zukunft der familienzentrierten Frühintervention.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Johannes Hofer, Leiter des Instituts für Sinnes- und Sprachneurologie und Kongresspräsident Priv.-Doz. Dr. Daniel Holzinger