Neuro Orthoptische Ambulanz / Sehschule

Einmal Brille – immer Brille? Kann man einen Sehfehler „wegtrainieren“?


Oft besteht die Befürchtung, vor allem bei Eltern, dass durch eine Brillenerstverordnung ein Kinderauge zum lebenslangen Tragen einer Brille gezwungen wird. Dieser Aberglaube entsteht aus der falschen Annahme, das Auge würde durch eine Brille „faul“ und deswegen mit der Zeit immer schlechter. Dies ist jedoch nicht der Fall. Mehrere Studien wurden in der Vergangenheit angestrengt, die jedoch alle zeigten, dass durch das Brillentragen (auch durch eine verstärkte oder abgeschwächte Brille) das Voranschreiten einer Kurz- oder Weitsichtigkeit nicht gebremst oder beschleunigt werden kann. Bei Kindern ist es möglich, dass selbst nach Jahren des Brilletragens sich die Brechkraft des Auges auch wieder so verändern kann, dass sie später keine Brille mehr brauchen. Meist besteht allerdings ein Brechkraftfehler derart, dass lebenslang eine Korrektur in Form einer Brille oder Kontaktlinse nötig ist. Auch wurde in der Vergangenheit immer wieder versucht, eine Kurz- oder Weitsichtigkeit „wegzutainieren“. Eine dauerhafte und sinnvolle Besserung einer Kurz- oder Weitsichtigkeit ist so jedoch nicht zu erreichen. Im Gegenteil: Ein Nichttragen einer nötigen Brille bringt, abgesehen von einer schlechteren Sehkraft, oft auch Beschwerden wie Kopfschmerzen, rasche Ermüdbarkeit, Konzentrationsschwäche, rote oder tränende Augen. Beim Kind wird das Nichttragen einer nötigen Brille zusätzlich auch noch gefährlich da hier, ohne nötige Brille, die Sehentwicklung schaden nimmt und eine für immer irreversible schlechtere Sehleistung resultieren kann. Ein Versuch mit „Sehtraining“ statt mit Brille den Sehfehler zu korrigieren, kann somit im wahrsten Sinn des Wortes „ins Auge gehen“.

 

FA Dr. Paul Niederberger

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