
Rückblick: Kongress der Sozialen Inklusion in Marseille
Die von Hospitality Europe und der Arbeitsgruppe Soziale Inklusion sowohl vor Ort als auch online organisierte Veranstaltung brachte Fachkräfte, Menschen, die von den Einrichtungen begleitet werden, und Partner zusammen. Sie alle verbindet die gemeinsame Überzeugung, dass soziale Inklusion und Selbstbestimmung von besonders schutzbedürftigen Menschen gestärkt werden müssen.
Ein Kongress im Zeichen der Hospitalität
Nach einem schwungvollen Flashmob, den Bewohner:innen des Centre Saint Raphaël der Fondation Saint Jean de Dieu präsentierten, waren die Teilnehmenden eingeladen, innezuhalten und gemeinsam mit der Philosophin Gabrielle Halpern neue Perspektiven einzunehmen. Ihr Impuls zur Gestaltung hybrider Lebenswelten ermutigte dazu, Räume neu zu denken: offener, inklusiver und stärker mit dem jeweiligen Umfeld und der Gemeinschaft verbunden.
Über sprachliche und kulturelle Unterschiede hinweg zog sich eine Botschaft durch die beiden Kongresstage: Hospitalität ist etwas, das wir miteinander teilen und in ganz Europa weiterentwickeln können.
„Für uns alle ist dieser Kongress ein wichtiger Meilenstein, eine Etappe auf einem längeren Weg. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass dieser Weg noch lange nicht zu Ende ist. Es gibt noch viel zu tun, viele Fragen sind unbeantwortet und weitere Herausforderungen liegen vor uns. Genau deshalb sind Begegnungen wie diese so wertvoll: Sie schenken uns neue Ideen, neue Energie und den Mut, unser Engagement fortzusetzen.“ so Doris Zwick, Leiterin der Arbeitsgruppe Soziale Inklusion von Hospitality Europe
Der Erste Tag: Erfahrungen teilen und Selbstbestimmung stärken
Während des Kongresses stellten die europäischen Provinzen in Gesprächsrunden konkrete Initiativen vor, die die Selbstbestimmung von Menschen stärken.
Am ersten Kongresstag standen unter anderem folgende Themen im Mittelpunkt:
- Unterstützte Entscheidungsfindung und Systeme zur Unterstützung der rechtlichen Handlungsfähigkeit (Spanien, Provinz der Hospitalschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu)
- Selbstbestimmung in psychiatrischen Behandlungs- und Betreuungsverläufen (Italien, Provinz der Hospitalschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu)
- Gestaltung von Lebensräumen, die Verständnis und Inklusion fördern (Österreich, Barmherzige Brüder)
- Stärkung sozialer Beziehungen als Schlüssel zur Inklusion (Spanien, Barmherzige Brüder)
- Zukunftsplanung und Entwicklung des eigenen Lebensentwurfs (Polen und Deutschland, Barmherzige Brüder)
- Nicht-medikamentöse Therapien und Unterstützung für Angehörige und Betreuungspersonen (Provinz Rom, Barmherzige Brüder)
- Inklusion durch darstellende Künste mit Companhia 48 (Portugal, Hospitalschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu)
Bewohner:innen, Mitarbeitende sowie Ordensbrüder und Ordensschwestern machten deutlich, wie vielfältig und wertvoll die in der europäischen „Hospitaller-Familie“ entwickelten Ansätze sind. Gleichzeitig wurde ein gemeinsames Anliegen sichtbar: Die Entscheidungen, Wünsche, Fähigkeiten und persönlichen Ziele der Menschen müssen im Mittelpunkt der Unterstützungsangebote stehen.
Nach einem Gottesdienst in der Kirche Saint-Ferréol im Herzen von Marseille, unweit des Alten Hafens, klang der erste Kongresstag bei einem gemeinsamen Abend in geselliger Atmosphäre aus.
Der zweite Tag: Gemeinsam ins Handeln kommen
Am 1. Oktober setzten die Teilnehmenden den Austausch über innovative Ansätze fort, die gesellschaftliche Teilhabe und Selbstständigkeit fördern.
Zu den vorgestellten Themen gehörten:
- Kunsttherapie für Erwachsene mit psychischen Erkrankungen (Portugal, Barmherzige Brüder)
- Mit Kunst und Bildern Wahrnehmungen überwinden, die mit Krankheit verbunden sind (Italien, Provinz Lombardei-Venetien, Barmherzige Brüder)
- Förderung von Selbstständigkeit und Zugang zu Leitungs- und Führungsaufgaben für Menschen mit Behinderungen – vorgestellt von der Fondation Saint Jean de Dieu und der Provinz Westeuropa
- Vorstellung eines Leitfadens zur Unterstützung schutzbedürftiger Menschen, die vom Krieg in der Ukraine betroffen sind; koordiniert von Polen
Der Gastfreundschaft eine stärkere Stimme geben
Zum Abschluss des Kongresses stellte Joan Uribe, Generaldirektor von Hospitality Europe, das Positionspapier von Hospitality Europe vor. Das strategische Dokument setzt sich gegenüber den europäischen Institutionen für das Recht auf Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen ein, die von Einrichtungen begleitet werden. Zugleich soll es weitere Einrichtungen und Organisationen dazu ermutigen, sich dem Netzwerk von Hospitality Europe anzuschließen. Dies ist eine der zentralen Zielsetzungen der Europäischen Arbeitsgruppe Soziale Inklusion.
Der zweite Kongresstag wurde zudem durch den Beitrag des Soziologen und Schriftstellers Philippe Aubert bereichert, des Autors von Rage d’Exister. Sein eindrucksvolles persönliches Zeugnis erinnerte die Teilnehmenden an eine grundlegende Wahrheit: Selbst zu entscheiden, wie man leben möchte, den eigenen Lebensstil zu wählen, zu arbeiten und uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen – all das ist auch mit einer Behinderung möglich.
Dank an alle, die zum Kongress beigetragen haben
Hospitality Europe und die Fondation Saint Jean de Dieu danken allen Teilnehmenden, Referentinnen und Referenten, Bewohnerinnen und Bewohnern, Mitarbeitenden sowie Partnern herzlich, die mit ihrem Engagement zum lebendigen und bereichernden Austausch beigetragen haben.
Der Europäische Kongress hat einmal mehr gezeigt: Gastfreundschaft, verbunden mit sozialer Inklusion und Selbstbestimmung, ist ein kraftvoller Motor für Veränderung und für den Aufbau einer gerechteren und partizipativeren Gesellschaft.
Impressionen vom Kongress der Sozialen Inklusion in Marseille
Hospitality Europe auf einen Blick
- Mehr als 280 Einrichtungen in 17 europäischen Ländern
- 77.000 Mitarbeitende
- Arbeitsgruppen unter anderem zu sozialer Inklusion, psychischer Gesundheit, Forschung, Innovation und Bildung
- Webinare zur Förderung von Innovation, Austausch und Zusammenarbeit
- Europäische Mobilitätsangebote für Mitarbeitende
„Hospitality Europe vereint die Einrichtungen der Barmherzigen Brüder und der Hospitalschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu in ganz Europa. Mit diesem Verband wollen wir den besonders schutzbedürftigen Menschen eine Stimme geben und gemeinsam mit ihnen Lösungen entwickeln, die ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen. Wir sind ein echtes europäisches Netzwerk, in dem Fachkräfte und Partner Hand in Hand daran arbeiten, eine gerechtere und inklusivere Gesellschaft über Grenzen hinweg zu gestalten.“ so Joan Uribe, Generaldirektor von Hospitality Europe.
Ein Kongress im Herzen der Provence – in der Region der Fondation Saint Jean de Dieu
Vor und nach dem Kongress hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, verschiedene Einrichtungen der Fondation Saint Jean de Dieu in Marseille kennenzulernen.
Die Stiftung wurde 2012 von den Barmherzigen Brüdern in Frankreich gegründet und ist in Westfrankreich, im Großraum Paris und in Marseille tätig. Ihr Auftrag ist es, besonders schutzbedürftige Menschen im französischen Gesundheits- und Sozialsystem zu unterstützen. Jährlich begleitet die Stiftung mehr als 20.000 Menschen in über 40 Einrichtungen und Diensten.
In Marseille gehören dazu:
- Centre Forbin – Zentrum für Unterkunft und soziale Wiedereingliederung sowie medizinische Kurzzeitpflege
- Centre Saint Barthélemy – Wohnangebot für ältere Menschen, regionales Kompetenzzentrum und Begegnungszentrum
- Centre Saint Raphaël – Wohneinrichtung
- Centre Bon Pasteur – Wohnangebot für ältere Menschen
Philippe Girard, Präsident der Fondation Saint Jean de Dieu: „Marseille ist zugleich eine einzigartige Stadt: eine Stadt der Begegnungen, der Übergänge, der Kulturen und der Unterschiede. Seit jeher ist sie geprägt von Frauen und Männern, die aus anderen Regionen und Ländern hierherkommen. Wie alle großen Metropolen steht auch Marseille vor den Herausforderungen von Verletzlichkeit, Armut und Ausgrenzung. In dieser Hinsicht ist die Stadt ein besonders symbolträchtiger Ort, um gemeinsam über soziale Inklusion nachzudenken. Zugleich befinden Sie sich hier in einem der historischen Wirkungsgebiete der Fondation Saint Jean de Dieu.“
„Es ist eine große Freude, den zweiten Kongress zur sozialen Inklusion in Marseille, einer multikulturellen und gastfreundlichen Stadt, zu feiern. Hinter dieser wunderbaren Initiative steht die Arbeit vieler Menschen aus unterschiedlichen europäischen Ländern. Gemeinsam – Fachkräfte, Ordensleute, Ehrenamtliche und Menschen, die von unseren Einrichtungen begleitet werden – legen sie Tag für Tag die Grundlagen für eine inklusivere Gesellschaft. Jeder Mensch ist aus seiner eigenen Lebenswirklichkeit heraus Protagonist einer wertvollen Geschichte, die wir gemeinsam zur Entfaltung bringen müssen. Danke für Ihre Unterstützung, Ihre Arbeit und Ihre Anwesenheit. Unserem Geist der Gastfreundschaft treu bleibend, setzen wir uns weiterhin für eine echte soziale Inklusion ein.“ fasste Frater Joaquim Erra i Mas, Generalrat der Barmherzigen Brüder und Mitglied des Verwaltungsrats der Fondation Saint Jean de Dieu, die Tagung zusammen.
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